Minca

Nach drei Wochen an der Küste geht es jetzt nocheinmal ein bisschen ins Hinterland – allerdings trotzdem mit Meerblick. Minca ist für Vogelbeobachtungen bekannt – außerdem ein bisschen Kaffee und Kakao.

Unser Quartier ist etwas abseits des ohnehin schon sehr kleinen Ortes – perfekt um dem entschleunigenden Hobby der Vogelbeobachtung nach zu gehen. Stundenlang beobachten wir Kolibris und zwischendurch auch noch andere Vögel – unsere ornithologischen Fähigkeiten zur Vogelidentifikation sind noch ausbaubar, es waren aber meist sehr bunte Vögel: knallrot, gelb-schwarz, pastellblau. Neben Vögeln können wir auch die Leute mit ihren überdimensionalen Objektiven und Ferngläsern beobachten die mehrtägige Vogelbeobachtungstouren mit Rangern unternehmen – inkl. Soundsystem um die gewünschten Vögel anzulocken.

Einen kleinen Spaziergang entfernt kommen wir zu einer Kaffeefarm wo wir eine Führung durch die Verarbeitungshallen machen. Begeistert berichtet der Guide, dass die Produktion mit Wasserkraft betrieben wird und die Maschinerie perfekt zu warten ist – denn die Maschinen haben schon einige Jahre auf dem Buckel und alles kann selbst repariert werden – einfach einen Draht herum wickeln, dann rennt das Werkl wieder – keine teuren Ersatzteile die man sich eh nicht leisten kann und auf die man ewig warten würde notwendig. Im Anschluss verkosten wir den Kaffee sowie auch das Bier der benachbarten Brauerei.

Zwei Nächte verbringen wir dann noch auf einer kleinen Kaffee- und Kakaofarm. Hier machen wir eine Tour durch die Plantage und kosten frische Kakaobohnen und testen auch die dazugehörige Kosmetik: Peeling und Kakao-Gesichtsmaske.

Taganga

Nachdem aus einer Woche Pause in Palomino gleich zwei geworden sind, wird es Zeit wieder weiter zu ziehen. Es geht die Küste entlang in den Westen wo wir in Taganga eine weitere Woche an der Küste verbringen – viel aktiver wird es also noch nicht. Taganga liegt in unmittelbarer Nähe zum Tayrona Nationalpark – der meist besuchte Nationalpark Kolombiens. Da uns das etwas zu überlaufen klingt lassen wir den Landteil des Nationalparks aus und erkunden die zugehörige Unterwasserwelt von Taganga aus.

Mit dem Tauchboot fahren wir zum Nationalpark wo wir zwei Tauchgänge machen. Einen Feuerfisch, zwei Seepferchen und eine Muräne, eine Seegurke und eine Seeschlange sehen wir außerdem einige Seeigel – und natürlich viele andere Fische die wir noch nicht benennen können. Ziemlich kalt ist es hier im Vergleich zu unseren bisherigen Tauchspots, es hat uns aber trotzdem wieder sehr gut gefallen.

Taganga selbst ist nicht so überzeugend – den Strand sieht man vor lauter Booten kaum. Zum Glück hatten wir aber ohnedies einen Pool zum abkühlen und gemütliche Hängematten im Quartier – optimal zum Zweck der weiteren Erholung.

Palomino

Von Guatape geht es wieder retour nach Medellín – geplant war dann die Route in den Süden Richtung Salento einzuschlagen, dann weiter nach Bogotá um uns dann mit einigen Stops in den Norden bis an die Karibikküste hoch zu arbeiten. Daraus ist aber nichts geworden, denn der/die Weltreisende sehnt sich nach einer ausgedehnten Reisepause am Strand und zwar sofort. Die letzte Routenänderung hat uns ja um unsere geplanten Strandpausen im norden Perus und Equador gebracht, also entscheiden wir uns Kolumbien abzukürzen und direkt nach Palomino an die kolombianische Karibikküste zu fahren.

Eine lange Nachtbusfahrt später kommen wir an. Meer, Strand, Palmen und Hängematten – dazwischen kolumbianischer Kaffee aus der nahen Sierra Nevada – hier lässt es sich gut pausieren.

Medellín und Guatapé

Von Lima hätte es ja eigentlich noch in den Norden Perus und dann über Land via Equador nach Kolumbien gehen sollen – der Ausnahmezustand in Equador bedeutet für uns aber umplanen, somit fliegen wir ab Lima direkt nach Medellín. Den Norden Perus sehen wir also nur von oben – der Blick vom Flieger auf die Cordillera Huayhuash und den Amazonas ist aber auch nicht schlecht (Equador überfliegen wir nichteinmal, denn die Flugroute geht knapp östlich vorbei).

Unsere Zeit in Kolumbien startet in Medellín wo wir den ersten vollen Tag gleich nutzen um mit der Metro in die mäßig beeindruckende Altstadt zu fahren. Wir spazieren durchs Zentrum und beenden die Erkundung mal wieder bei einem aufgelassenen Bahnhof – typisch Südamerika.

Tag zwei steht eine Tour durch die Comuna 13 am Programm – vor wenigen Jahren noch der gefährlichste Stadtteil Medellíns bzw. sogar eines der gefährlichsten Viertel der Welt. Der Bezirk war (und ist es mögllicherweise immer noch) eine Drehscheibe für den Schmuggel von Drogen und auch Waffen, eine Hochburg für Drogenkartelle, Guerillas, Banden und paramilitärische Gruppen.

Mitte Oktober 2002 wurde mit der Operación Orión eine der größten kolumbianischen Militäraktionen in der Comuna 13 durchgeführt. Militärs und mit ihnen agierende Paramilitärs die von Hubschraubern unterstützt wurden, durchkämmten die schmalen Gassen des Viertels tagelang. Eine umstrittene Razzia mit vielen Todesopfern die in der nahen Müllhalde La Escombrera verscharrt wurden – eines der größten Massengräber der Welt und weiterhin als Müllhalde genutzt. Offiziell sollte die Comuna 13 von städtischen Milizen der FARC-Guerilla gesäubert werden, inoffiziell übernahmen die Paramilitärs die Kontrolle über die Drogenrouten – die Ruhe im Viertel steht also auf fragilen Beinen.

Nach der Razzia investierte die Regierung in Gemeindezentren und in die Sanierung der Backsteinbauten, am Rande des Viertels entstanden neue Wohnblocks, außerdem wurden die Escaleras Eléctricas (Rolltreppen) gebaut die sich über ca. 384m erstrecken und tiefer gelegene Viertel der Comuna 13 mit höher gelegenen verbinden.

Backsteinhäuser, aber auch improvisierte Baracken, viele Stiegen, dazwischen bunte Graffitis und die neuen Rolltreppen die den Alltag erleichtern prägen das Viertel heute. Mittendrin Jugendliche die mit Hip-Hop-Performances ihr Geld verdienen und unzählige Touristen die sich das bunte Viertel anschauen. Politische Graffitis sind nicht mehr erlaubt – die Geschichte und den Alltag der Comuna rund um Bandenkriege, Vertreibung und Gewalt welcher früher bestimmendes Thema der Graffitis war findet man heute nicht mehr.

Die Walking Tour mit den Infos rund um die Comuna 13 war sehr interessant, wir spazieren im Anschluss noch ein Stück entlang des Boulevards bevor wir die Rolltreppe hinunter nehmen. Den Nachmittag verbringen wir an Bord der Metrocable – der lokalen Seilbahn, mit der wir über sämtliche Teile der Stadt fahren und bis zum Abend beschäftigt sind, dann geht es noch in den Taproom einer lokalen Brauerei wo wir den Abend ausklingen lassen.

Weiter geht es mit dem Bus ins nahegelegene Guatapé, einer kleinen bunten Stadt an einem Stausee gelegen. Der See wurde für den Bau eines Wasserkraftwerkes aufgestaut und ist ein beliebter Ort für sämtliche Wassersportaktivitäten, passend dazu gibt es eine riesen Auswahl an Resorts am See für die einheimischen Touristen.

Außerdem ist die Gegend für El Peñol, einem riesigen Felsen am Ufer des Sees bekannt. 200m ragt der Granitblock an dessen Seite sich eine Treppe hinauf windet aus der Landschaft und soll eine schöne Aussicht bieten – wir lassen den Aufstieg aber aus, wer zahlt denn schon, damit er in Kolonne unzählige Stiegen hinauf stapfen darf…

Die Stadt selbst besticht durch ihre farbenfrohen Häuser mit den “Zocalos” bunte Reliefs im unteren Bereich der Außenmauern auf sämtlichen Häusern der Stadt – manche einfach nur dekorativ während andere Aufschluss über das im Haus befindliche Unternehmen geben. Groß ist die Stadt ja nicht, trotzdem scheint es Bedarf an Taxis gegeben – so fahren durch die bunten Gassen auch noch farbenfrohe Motortaxis die die faulen Besucher von A nach B transportieren.

Arequipa bis Lima

Nachdem wir Cusco schweren herzens hinter uns gelassen haben geht es für uns nach Arequipa. Rund um die Stadt gibt es drei Vulkane, die für gewöhnliche eine schöne Kulisse um die Stadt bilden – die aktuelle Wetterlage hat aber wieder einmal keine Sicht auf die Vulkane geboten. Dafür sieht man in der Stadt viel weißes Vulkangestein aus dem sämtliche Gebäude errichtet sind. Wir machen wie üblich eine Stadtführung und essen am San Camilo Markt Rocoto Relleno – eine gefüllte scharfe Paprika.

Außerdem verbringen wir einige Zeit damit durchs Kloster Santa Catalina zu spazieren. Das Kloster erstreckt sich auf über 20.000 m² und hat früher 450 Personen beherbergt – Nonnen und Diener. Generell gab es in diesem Kloster ausschließlich reiche Nonnen die ziemlich viel Platz hatten. Jede Nonne die eingezogen ist hat sich ihre Wohnung dazu gebaut – jede hatte ihre eigene Küche und je nach Wohlstand 1 oder 2 Zimmer. Heute leben nur noch 25 Nonnen hier, allerdings in einer Unterkunft am Rand die wahrscheinlich nicht so großzügig und bunt ist wie die früher genutzen Flächen die wir besichtigt haben.

Von Arequipa wäre der Colca Canyon nicht weit, eine der tiefsten Schluchten der Welt (wenn man bis zum angrenzen Berg misst 3269m tief). Über dem Colca Tal ziehen Kondore ihre Runden und man kann in die Schlucht hinein und dann wieder 1200m hinauf wandern – allerdings lässt das Wetter zu wünschen übrig. Extrem starke Regenfälle in und um Arequipa haben zu Murenabgängen im Umland und damit einer Störung der Wasserversorgung in Arequipa geführt – und die Informationen über die Lage beim Colca Canyon sind spärlich, eine Brücke dürfte dem Unwetter zum Opfer gefallen sein und wie sich das Wetter entwickelt wissen wir auch nicht also entscheiden wir uns gegen die Wanderung und ziehen weiter nach Huacachina.

Huacachina ist die einzige Wüstenoase in Südamerika und vor allem ein Touristen Hot Spot. Natürlich ist die Oase heutzutage nicht mehr, denn der hohe Wasserverbrauch durch den Übertourismus habt den ursprünglichen See austrocknen lassen. Heutzutage wird die Oase nicht mehr von einem natürlichen Fluss sondern per Leitung von der nächstgelegenen Stadt gespeist und im See wird nicht mehr heilgebadet sondern Tretboot gefahren.

Wir haben ein Hostel mit Pool und müssen uns zuerst akklimatisieren – so warm hatten wir es schon lange nicht mehr. Nach ausreichend Relaxen am Pool geht es für uns dann aber noch in die Sanddünen. Mit einem Buggy werden wir zu den höchsten Dünen gefahren – Achterbahn-Feeling inklusive – wo wir nachdem wir das Sandboard gscheit gewachselt haben die Dünen hinunter boarden – als touristenfreundliche Version am Bauch. Die Möglichkeit für echte Ski oder Snowboard gibt es auch, aber das wird gleich unverhältnismäßig teuer und uns hat es so auch viel Spaß gemacht. Zum Abschluss genießen wir den Sonnenuntergang und einen guten Blick auf die Oase.

Für uns geht es dann auch gleich weiter an die Pazifikküste nach Paracas. Es ist Wochenende und der Strand erinnert eher an Lignano – aber wir sind ohnehin für die vorgelagerten Ballestas Inseln hier. “Galapagos für Arme” werden die Inseln auch genannt – also genau das richtige für uns. Bei unserem Bootsausflug kommen wir zuerst bei einer riesigen Geoglyphe in Form eines Kerzenleuchters (El Candelabro) vorbei – der Zweck ist nicht geklärt, man vermutet dass das Symbol für die Navigation genutzt wurde. Neben unserem Boot schwimmen Robben, es kommen Pelikane angeflogen, Kormorane sitzen auf den Klippen und auf der Insel watscheln Humboldt-Pinguine. Außerdem gibt es einige andere Vögel die hier heimisch sind oder zumindest überwintern. Ein wichtiger Bewohner ist jedenfalls der Tölpel der hier tagaus tagein Guano produziert, der hier immer noch abgebaut wird.

Damit geht es auch schon nach Lima, unserem letzten Stop in Peru. Im Norden gäbe es zwar auch noch einiges zu sehen, aber da die Weiterreise über Land nach Equador erschwert ist und sich Equador aufgrund der Sicherheitslage ohnedies nicht empfiehlt lassen wir eben einiges aus – denn hin und her fahren wollen wir nicht.

In Lima besichtigen wir die Altstadt, die teilweise etwas verwahrlost wirkt und definitiv ziemlich verlassen ist – es wird aber auch einiges saniert und dann hoffentlich wieder genutzt. Der begrünte Hauptplatz ist generell abgesperrt, für den täglichen Wechsel der Wachen vorm Präsidentenpalast wird man aber eingelassen. Wir schauen uns den Wachwechsel an, zu dem wohl jemand von den Wachen zu spät gekommen ist, denn es war nach Start des Prozedere aber vor Einmarsch der neuen Wachen eine sehr sehr lange Pause – es ging dann aber doch noch weiter und die neuen Wachen sind eher weniger synchron im Stechschritt über den Platz marschiert.

In Miraflores spazieren wir entlang der Costa Verde, die aufgrund unlängst erfolgter Hangsicherungsmaßnahmen nur in wenigen Bereichen schön grün ist. Entlang der Costa Verde gibt es gute Surfspots – für Fußgänger allerdings nicht so gut zu erreichen denn direkt hinter dem Strand ist die Hauptstraße und Fußgängerübergänge sind spärlich. Von Miraflores spazieren wir nach Barranco, dem teuersten Viertel der Stadt in dem auch das beste Restaurant der Welt (das Central) zu finden ist – wir schauen uns nur den Zaun mit dem Stacheldraht von außen an. Außerdem gibt es hier einiges an Streetart und am Hauptplatz ist anlässlich des Tags des Pisco Sour (dem Nationalgetränk) ein Pisco Fest – hier kosten wir uns natürlich auch durch und lassen unsere Zeit in Peru ausklingen.

Salkantay Trek to Machu Picchu

Machu Picchu ist wohl die Top-Sehenswürdigkeit in Südamerika und die schauen wir uns natürlich auch an. Die einfachste Variante der Anreise hat man mit Bus und Zug oder aber man entscheidet sich zum Wandern – für uns geht es also über die Anden nach Machu Picchu.

Es geht in aller Früh los und es ist bereits erstaunlich geschäftig in Cusco als wir um 4:30 Uhr darauf warten abgeholt zu werden. Unsere Gruppe besteht aus den 4 Französinnen, die wir schon von der Stadtführung in Cusco kennen, einem Briten, einer Spanierin und einem lokalen Mädel aus Cusco. Mit dem Bus geht es von Cusco nach Mollepata, wo wir Frühstücken bevor es noch ein Stück weiter nach Challacancha geht. Beim Frühstück lernen wir auch gleich die zweite Gruppe die mit uns unterwegs ist kennen – auch sehr franzosenlastig, ein paar Deutsche sind aber auch dabei.

Challacancha liegt auf 3380m Höhe und ist der Start unserer Wanderung. Wir wandern circa 2,5 Stunden bis nach Soraypampa, wo wir unsere kleinen Hütten beziehen und eine ausgiebige Mittagspause abhalten. Dann geht es noch zur Humantay Lagoon auf 4220m hinauf. Kurzzeitig hatte man noch einen guten Blick auf den See und den dahinterliegenden Wasserfall, bevor alles in den Wolken verschwunden ist und sich nicht mehr wirklich zeigen wollte. Dann ging es wieder hinunter zum Quartier zum Nachmittagstee und anschließendem Abendessen. Nach 11,75km und 840 Höhenmetern geht es dann nach etwas Katzenwäsche ins Bett – Duschen gibt es hier nicht.

Tag zwei startet damit, dass uns unser Koch ein Häferl Kokatee in die Hütte serviert und wir uns dann langsam aus den Schlafsäcken schälen – es ist ziemlich kalt hier auf 3900m. Dann gibt es Frühstück, unser Dufflebag mit den Schlafsäcken und Toilettsachen wird den Pferden umgeschnallt und es geht los. Nach einiger Zeit gemütlicher Steigung geht es in Serpentinen den so genannten “Gringo Killer” hinauf gefolgt von dem “Inka Killer” – für die Faulen gibt es die Möglichkeit den gesamten heutigen Anstieg am Rücken eines Pferdes zurück zu legen. Der höchste Punkt heute ist der Salkantay Pass auf 4650m Höhe. Dort gibt es eine Zeremonie zu ehren von Patcha Mama – es werden Coca-Blätter, Bier und Schnaps geopfert. Ab dem Pass geht es nur noch hinunter unterbrochen von einer verlängerten Mittagspause – ein “Wanderer” der zweiten Gruppe, der den Anstieg schon per Pferd bewältigt hat ist auch am Abstieg gescheitert und musste mit einem Pferd abgeholt werden – der hat wohl eher unabsichtlich die Wanderung anstatt den Zug gebucht. Der restliche Abstieg ist von Regenschauern geprägt – man weiß nicht ob man den Regenponcho ausziehen soll oder besser doch anlässt. Die heutige Etappe war 23,70km lang und es ging 700 Höhenmeter hinauf bevor es dann nach Collpapampa hinunter gingt.

Tag drei ist ein sehr gemütlcher Tag von Collpapampa nach Lucambamba sind es nur wenige Kilometer, leicht bergab. Am Weg sehen wir den best aussehensten Nackthund der Reise, kommen an einigen Obstplantagen vorbei und stoppen noch bei einer Kaffee Rösterei für eine Verkostung. Den verregneten Nachmittag verbringen wir dann gemütlich in den heißen Quellen – endlich eine Möglichkeit sich zu waschen.

Der nächste Tag sollte uns eigentlich den ersten Blick auf Machu Picchu bescheren – allerdings hatten wir starken Regen, keine Fernsicht und somit keine Chance Machu Picchu zu sehen. Die heutige Etappe ist gesamt 25 km lang, anfangs hinauf durch den Dschungel, dann wieder hinunter und zum Schluss noch 10 km eben entlang der Bahnstrecke bis nach Aguas Calientes – die Stadt am Fuße von Machu Picchu. Wasserdicht sind unsere Wanderschuhe schon lange nicht mehr – also kommen wir ziemlich nass an. Dafür gibt es heute Hotel mit Dusche die wir gleich nutzen – fürs Abendessen gibt’s heute Plastiksackerl zwischen Schuhen und Socken damit die frischen Socken trocken bleiben. Wir essen gemeinsam in der Stadt bevor wir ins Hotelbett fallen – morgen geht es noch einmal früh los.

Heute ist der fünfte und letzte Tag, es regnet nicht und es geht hinauf zu Machu Picchu. Der kleine harte Kern der Gruppe nimmt die Stiegen. Wir kommen genau zur Öffnung der Brücke am Checkpoint an und dann geht es hinauf – der letzte Anstieg unseres Treks. Oben angekommen treffen wir unseren Guide und starten mit der Erkundung von Machu Picchu. Gleich am Anfang treffen wir noch einige Lamas bevor sie das weite suchen und in die für Touristen gesperrten Bereiche spazieren und dann haben wir auch schon den ersten Blick auf die Inka-Stadt – sehr beeindruckend und vor allem haben wir Wetterglück – sogar die Sonne zeigt sich. Unser Guide führt uns knapp 3 Stunden durch die Ruinen – und erzählt uns auch, dass es Tags zuvor extrem bewölkt war und sie keine Sicht auf Machu Picchu hatten. Nachdem wir Machu Picchu auf uns wirken lassen haben geht es wieder die Stiegen hinunter und wir genießen noch einen Kaffee in Aguas Calientes bevor es mit dem Panoramazug wieder Richtung Cusco geht. Das letzte Stück fahren wir wieder mit dem Bus und kommen pünktlich zum Abendessen in Cusco an wo wir wieder in unserem Hostel einchecken und das Feuer, die Marshmallows und eine Tasse Tee genießen.

Cusco und das heilige Tal

Die Erkundung von Peru starten wir in Cusco, wo es uns sofort gut gefällt. Quartier beziehen wir in San Blas, ein nettes Viertel am Hügel mit engen Kopfsteinpflastergassen und vielen kleinen Lokalen.

In unserem Hostel kann man es sich Abends mit Tee und Marshmallows am Feuer gemütlich machen und die Restaurantauswahl in Cusco ist riesig. Nach sehr gemütlichen ersten Tagen, in denen wir die Gegend rund um unser Quartier und den Hauptplatz auf eigene Faust erkundet haben wird es Zeit für eine Stadtführung mit lokalem Guide. Gemeinsam mit 4 französischen Mädels werden wir durch die Stadt geführt, verkosten Schokolade und genießen zum Abschluss Maracuja Pisco und Cheviche (roh marinierter Fisch mit frischem und geröstetem Mais) mit Blick auf die Stadt. Gemeinsam suchen wir uns dann gleich einen Touranbieter für den Salkantay Trek nach Machu Picchu – dazu gibt es dann aber einen eigenen Bericht.

Von Cusco aus sind neben Machu Picchu auch einige andere Inka Stätten gut zu erreichen, unter anderem Sacsayhuamán (was in der Sprache der Quechua zufriedener Falke bedeutet) am Rande von Cusco. Die zeremonielle Festung in der vermutlich Inkakrieger ausgebildet wurden erstreckt sich über 3.000 Hektar. Die charakteristischen genau aneinander angepassten riesigen Steine kann man hier in einer dreireihigen, in zickzack verlaufenden Mauer begutachten.

Nicht weit weg steht die etwa 8m hohe Statue Christo Blanco die ihren Blick über die Dächer von Cusco richtet und einen guten Ausblick auf die Stadt genießt – die Statue ist ja weniger Spannend, aber die Aussicht von hier auf die Stadt ist ganz fein.

Im heiligen Tal besuchen wir die Rundterrassen von Moray, jede Terassenebene hat ihr eigenes Mikroklima – man geht davon aus das die Terassen das Labor der Inkas waren um zu bestimmen welche Flächen sich für den Anbau bestimmter Kulturen am besten eignen.

Den nächsten Stop machen wir an den Salzterrassen von Maras. Hier schmiegen sich ca. 5.000 kleine Becken die von einer Salzquelle gespeist werden an einen Hang. Wenn das Wasser verdunstet ist kann das Salz geerntet werden – bis zu 150 kg Salz kann man in einem dieser Becken pro Monat ernten, der Salzabbau geht hier bereits auf Inka-Zeitalter zurück.

Es geht zu den Ruinen von Ollantaytambo, einer Festung die auch einen Tempel beherbergen sollte. Den nie fertiggestellten Tempel erreicht man über 200 Stufen – eine ziemliche Herausforderung für so manchen Touristen.

Den Abschluss unserer Tour durch das heilige Tal bildet Pisac mit seinen Feldterrassen (Andenerias). Das antike Feldanbausystem welches die Inka nutzten um den Anbau von Lebensmitteln am Berghang zu optimieren.

In Cusco selbst genießen wir es durch die steilen Gassen San Blas’ zu schlendern, am Mercado San Blas zu Essen oder Maracuja Saft zu trinken. Die Kirchen rund um den Plaza de Armas sind wie so oft in Südamerika meistens verschlossen – zumindest immer wenn wir daran vorbei gehen. Dafür sind die Schuhputzer sehr motiviert uns davon zu überzeugen unsere Schuhe zu putzen und auch zu reparieren: “possible fix”. Am San Pedro Markt holen wir uns des öfteren eine Tafel Schokolade – mit Coca oder Maras-Salz.

Zu sehen gäbe es noch genug doch wir entscheiden uns schweren Herzens unser gemütliches Hostel zu verlassen um noch andere Orte in Peru zu erkunden.

Lago Titicaca

Von La Paz geht es mit dem Bus nach Copacabana. Nachdem der Bus nicht beim großen offiziellen Busterminal abfährt, fahren wir noch ein letztes mal mit der Seilbahn und spazieren dann quer durch den Friedhof – hier starten die Busse nach Copacabana. Der Bus ist schon fast voll, also müssen wir nicht lange warten bis der Bus los fährt – zuvor kontrolliert die Polizei noch die Ausweise. Ein kurzes Stück des Wegen nach Copacabana müssen wir per Fähre zurück legen – Passagiere und Bus getrennt. Wir fahren also mit der Personenfähre über die Straße von Tiquina, der Motor stirbt einige male ab denn der Diesel wird manuell zum Motor gepumpt, wir kommen aber dennoch weit vor unserem Bus an. So ganz effizient ist das System der Fährüberfahrten nicht – jede Fähre versucht sich zu den Anlegestellen zu drängen – der Fährmann der unseren Bus auf der Fähre hat muss das Spiel noch üben, denn der wird von allen Fähren ausgebremst. Irgendwann legt dann aber auch unser Bus an, wir steigen wieder ein und die Fahrt geht weiter.

In Copacabana angekommen besichtigen wir die Basilika der Jungfrau von Candelaria, ein wichtiger Wallfahrsort für Bolivianer. Vor der Basilka reihen sich geschmückte Autos, denn wann immer man sich ein Auto kauft führt der erste Weg nach Copacabana um sein Auto für sichere Fahrten segnen zu lassen – ergänzt mit einer Bierdusche und Rosenblättern, es soll ja bei der Retourfahrt jeder sehen, dass man in Copacabana war. Copacabana verfügt außerdem über den einzigen Strand Boliviens – hier hat man die Qual der Wahl zwischen Bananenboot, Drachenboot oder Tretboot und es ist einiges los.

Für uns geht es mit dem Boot sehr gemächlich über den Titikaka-See zur Isla del Sol – der Sonneninsel. Der Titikaka-See ist der größte Süßwassersee Südamerikas mit einer Fläche von über 8200km². Der Titicacasee liegt auf der Altiplano-Ebene in rund 3800 Metern Höhe und gilt somit als das höchstgelegene schiffbare Gewässer. Die Isla del Sol ist in der lokalen Mythologie der Geburtsort des Sonnengottes sowie der ersten beiden Inka Manco Cápac und Mama Ocll. Wir legen im Hafen im Süden der Insel an, jetzt trennen uns noch über 200 Stufen – die Escalera del Inca – vom Dorf Yumani, alternativ könnte man auch den Esel-Trek entlang gehen. Abends ist es im Hafen besonders geschäftig wenn die Waren vom Festland ankommen und die Einheimischen einen Esel nach dem anderen beladen, denn auf der Isla del Sol gibt es keinen Autoverkehr, hier geht man zu Fuß und nutzt Esel zum Transport seiner Waren.

Wir nutzen den ersten Tag um den Süden der Insel zu erwandern, es geht vorbei am Tempel Pillkukayna bis zur südlichsten Spitze, dann wandern wir entlang des Willa Thaki (dem heiligen Weg der ewigen Sonne) am Kamm der Insel zurück zur Unterkunft – bei bester Aussicht auf die Ufer der Insel. Für den nächsten Tag hätten wir eigentlich noch die komplette Überquerung der Insel am Programm gehabt – die Fähren die Süd und Nord verbinden fahren aber nichtmehr nachdem es in den letzten Jahren einige Konflikte zwischen den beiden Inselteilen gab – und ein privates Boot ist uns dann doch zu teuer. Den ganzen Weg hin und zurück zu wandern scheint uns dann doch zu motiviert, also wandern wir ein Stück Richtung Norden, genießen die Aussicht und drehen dann wieder um.

Nach drei Nächten auf der Isla del Sol geht es wieder zurück nach Copacabana wo wir noch einen gemütlichen letzten Abend in Bolivien verbringen.

La Paz

Unsere ziemlich warme Busfahrt endet etwas abrupt am Flughafen von La Paz – eine Information an die Fahrgäste, dass der Bus hier nicht mehr weiter fährt ist ja überflüssig – wird den Leuten schon auffallen. Nach und nach leert sich der Bus – also gehen auch wir Nachfragen: Der Bus ist kaputt und fährt nicht mehr weiter. Wir legen das letzte Wegstück also mit einem Uber zurück, laden unsere Rucksäcke im Hostel ab und gönnen uns ein gutes Frühstück. Nachdem wir eingecheckt haben starten wir mit der Erkundung der Stadt – typisch für hier natürlich mit der Seilbahn.

Zehn Linien gibt es hier, die zusammen ein 33 kilometerlanges Seilbahnnetz ergeben, errichtet im Zeitraum von 2014 bis 2019. La Paz verfügt somit über das größte urbane Seilbahnnetz der Welt und hat der Firma Doppelmayr damit den bisher größten Auftrag der Firmengeschichte beschert. Wir beginnen heute mit zwei Linien – hinauf nach El Alto, einmal oben entlang und die gleiche Strecke retour – eine ungewohnte Perspektive bekommt man hier auf die Stadt.

Ausgeschlafen starten wir dann am nächsten Tag mit einer Stadtführung. Gestartet wird am Hauptplatz – neben der üblichen Kirche gibt es hier aber auch eine Besonderheit: Das Gefängnis San Pedro flankiert eine Seite des Hauptplatzes – in bester innerstädtischer Lage. Nicht nur die Lage ist spannend auch das Rundherum (oder eigentlich das Innendrinnen). Rundherum patroulliert Polizei – die betritt das Gefängnis aber nicht, das Gefängnis ist eine kleine Stadt in der Stadt und verwaltet sich selbst.

Das Gefängis San Pedro betreibt eine eigene Wirtschaft, in der die Insassen für ihre eigene Ernährung, Unterkunft, medizinische Versorgung und den allgemeinen Unterhalt aufkommen müssen. Das heißt die Insassen müssen innerhalb des Gefängnisses Arbeit finden, um sich den Aufenthalt und das Leben zu finanzieren. Zu den Karriereaussichten gehören unter anderem Schuhe putzen, Wäsche waschen, Kellnern, Friseur, Restaurants oder Geschäfte betreiben, Kunsthandwerk herstellen und verkaufen oder die Arbeit als Drogendealer. Den meisten der Insassen werden Drogendelikte angelastet – es ist also nicht verwunderlich, dass es im Gefängnis eine Kokain Produktion gibt – angeblich kommt das reinste Kokain der Welt aus dem Inneren der Gefängnismauern. Neue Insassen müssen ihre eigenen Zellen kaufen, alternativ kann man sich auch eine Zelle mieten. Keine Zelle gleicht der anderen, die Preise variieren je nach Größe, Qualität und Standort – es soll sogar welche mit Whirlpool geben. Ursprünglich für ungefähr 250 Insassen entworfen befinden sich an die 2000 Insassen im Gefängnis, dazu kommt dann gegebenenfalls auch noch die Familie – Frauen und Kinder dürfen auch hier wohnen. Jeden Morgen machen sich Schwärme von Kindern in Uniform auf den Weg zur Schule die auch am Hauptplatz liegt, am Nachmittag geht es dann wieder zurück in die Zellen. Jahrelang wurde das Gefängnis auch regelmäßig von Touristen frequentiert – ein englischsprachiger Insasse hat sich als Fremdenführer profiliert und Touren innerhalb des Gefängnisses angeboten. Bis zu 70 Touristen sollen an den besten Tagen durch das Gefägnis spaziert sein. Nach medialer Berichterstattung und unzähligen Touristenvideos wurden die illegalen aber bisher geduldeten Touren dann aber verboten. Verurteilt ist in dem Gefängnis niemand, die Insassen befinden sich in Untersuchungshaft – für ein baldiges Gerichtsverfahren muss man ausreichend finanzielle Mittel aufbringen.

Das Gefängnis haben wir also nicht besucht, dafür ging es weiter durch den Markt mit seinem vielfältigen Angebot an Obst und Gemüse – darunter auch dehydrierte Erdäpfel die auf den ersten Blick wie weiße und schwarze Steine ausschauen. Neben dem klassischen Wochenmarkt gibt es hier aber noch den Hexenmarkt – Mercado de las Brujas. Dort gibt es an jedem Stand getrocknete Lamaföten zu kaufen. Wer ein Haus baut, muss zuerst einen solchen opfern und dann die Asche im Fundament einmauern – als Opfer für „Pachamama“ – Mutter Erde. Bei größeren Gebäuden braucht es dann schon größere Opfer – für Hochhäuser nimmt man dann Obdachlose – die bekommen Essen und Trinken bevor sie dann von einer entsprechenden Zeremonie begleitet lebend im Fundament eingemauert werden.

Es geht vorbei am Plaza Mayor de San Francisco und der San Francisco Kirche mit seiner aufwendig gestalteten Fassade in der sich auch indigene Elemente finden – man gab sich ja mühe die Einheimischen zu missionieren und in die Kirchen zu locken. Am Plaza Murillo stehen die Regierungsgebäude in Kolonialarchitektur, dahinter die modernen Erweiterungen. Die Uhr am Kongressgebäude läuft seit der Präsidentschaft von Evo Morales in die verkehrte Richtung – eine neue Zeit.

Die typischen Touristenmagnete wie das Cholitas Wrestling – bei dem bolivianische Frauen in traditioneller Kleidung gegeneinander Kämfpen lassen wir aus. Genauso den Ausflug auf die Death-Road – die angeblich gefährlichste Straße der Welt die man mit dem Mountainbike hinunter braust – inzwischen gibt es wohl eine alternative Straße entlang dieser Route für Busse und Autos, der ein oder andere Bus fährt wohl aber immer noch entlang der alten Straße.

Für Silvester gibt es in Bolivien allerhand Traditionen, begonnen bei der Farbe der Unterwäsche – jede Farbe steht für bestimmte Wünsche im neuen Jahr, außerdem sollte die Unterwäsche neu sein, man sollte sie geschenkt bekommen haben und danach nicht wieder tragen – nicht besonders nachhaltig. Zusätzlich muss man die Unterwäsche den ganzen Abend verkehrt tragen und erst zu Mitternacht auf die richtige Seite umdrehen. Wer gerne reist sollte um Mitternacht mit seinem Koffer spazieren gehen und für mehr Geld soll man Geld zählen. Zu Mitternacht werden außerdem 12 Weintrauben verspeist – jede Weintraube ein Wunsch, diesen Brauch machen wir auch mit, denn obwohl das Lokal in dem wir Feiern um 10 Uhr schon kein Fassbier mehr hat werden zu Mitternacht Weintrauben und Cider – Sekt gibt es hier wohl nicht – zum Anstoßen verteilt.

Während wir ja üblicherweise eine Neujahrsskitour machen verbringen wir den Neujahrstag diesmal mit Seilbahnfahren, wobei wir fast alle Linien und damit einen großen Teil von La Paz entlang fahren.

Sucre

Sucre ist eine der beiden Hauptstädte von Bolivien und trägt den Beinamen die weiße Stadt – passend denken wir uns, verbringen wir also hier “weiße” Weihnachten. Sucre ist für die Geschichte des Landes sehr bedeutend, denn 1825 wurde hier die Unabhängigkeitserklärung von Bolivien unterzeichnet – heute ist der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens aber nur mehr der Oberste Gerichtshof geblieben, sämtliche Regierungseinrichtungen befinden sich in La Paz. Die beiden Städte, die wir bisher in Bolivien gesehen haben waren ja keine Augenweide, hier schaut es gleich viel einladender aus – aber es ist nicht nur der (weiße) Putz der den Unterschied macht, sondern die Kolonialarchitektur der Altstadt. Unser Zimmer ist diesmal zu unserer Überraschung eine kleine Wohnung mit Schlafzimmer, Bad und Wohnküche – so viel Platz hatten wir schon lange nicht mehr. Im Garten vom Hostel gibt es eine große Gemeinschaftsküche und hier ist auch meistens was los – so können wir gleich am ersten Abend mit den anderen Gästen plaudern.

Nicht weit vom Quartier entfernt befindet sich der Cementério Municipal, hier sind heute (am 24.12.) gleich 6 Begräbnisse und generell ist sehr viel los. Typischerweise werden die Särge hier überirdisch übereinander gestapelt. Vor jeder Sargkammer bleibt dann Platz für ein kleines Schaufenster – hier kann man dem Toten dann seine Lieblingsgetränke (Cola ist fast überall dabei) und andere Deko hineinstellen. Was auffällt, sind die vielen neuen Daten an den Gräbern – 4 Jahre darf man seine Kammer hier haben mit der Option zur einmaligen Verlängerung um weitere 3 Jahre – dann muss man sich abholen lassen oder man wird verbrannt, Leerstand herrscht hier trotzdem nicht. Auch die große Anzahl an Gräbern von Säuglingen sticht einem ins Auge, reihenweise wird hier kein erster Geburtstag gefeiert. Ein weiteres Schild führt einem die schlechte medizinische Versorgung hier auch klar vor Augen – es gibt zwei Covid-Blocks, die sind auch nicht zu schmal geraten und prall gefüllt mit 2020er Sterbedaten. Dazwischen laufen immer mal Kinder und Jugendliche mit Leitern zwischen den Gängen – die Friedhofskinder kann man hier bezahlen wenn man die Schaufensterdeko bei den oberen Gräbern ändern will, außerdem bieten sie wohl auch Führungen über den Friedhof an. Bei 6 Begräbnissen schauen wir uns das natürlich auch mal von der Ferne an, man will ja wissen wie so ein Sarg in die obere Etage gehievt wird – dafür gibt es eine eigene Holzkonstruktion mit der das Sargende “stabilisiert” wird – schaut trotzdem sehr wackelig aus. Außerdem steht jeder Beerdigung gleich eine Scheibtruhe und zwei Arbeiter in knallig rotem bzw. orangem Overall bei – die hieven den Sarg über die wackelige Leiter nach oben und verschließen und verputzen dann gleich die Grabkammer solang die Begräbnisgesellschaft noch da ist.

Wir spazieren zum sehr geschäftigen Hauptplatz und essen dann in einem nahen Restaurant Picana, ein typisch bolivianisches Weihnachtsessen. Traditionell wird es eigentlich erst beim großen Familienessen nach der Mitternachtsmette gegessen – wir essen es schon zu Mittag: ein Eintopf aus bis zu fünf verschiedenen Fleischsorten, Erdäpfeln und einem Maiskolben oben drauf – dazu ein Glas Wein.

Den Nachmittag und Abend verbringen wir dann im Hostel mit anderen Reisenden, für uns gibt es heute Weihnachtswraps und Obstsalat. Die Mette lassen wir aus, und auch das hier typische mitternächtliche Feuerwerk nehmen wir nur akustisch wahr.

Die nächsten Tage nutzen wir um gemütlich die Stadt zu erkunden. Am Christtag spazieren wir steil bergauf zu einem Aussichtspunkt, um den Blick von oben auf die weiße Stadt zu genießen. Die Messe im Monasterio de La Recoleta geht gerade zu Ende und die Kirchgänger kommen mit angekleideten Jesusfiguren heraus – dem Glauben nach bringt es Glück, das Jesuskind für die Krippe jedes Jahr neu einzukleiden und dann muss es natürlich auch frisch gesegnet werden.

Weiter geht es durch drei kleine Gassen, jeweils mit einem Bogen beim Eintreten der von einer weißen, schwarzen bzw braunen Katze gesäumt ist – die Katzen-Gassen sollen an die ersten drei Katzen dieser Stadt erinnern. Es geht vorbei an einigen geschlossenen Kirchen bis zum Hauptplatz – hier ist heute einiges los denn hier werden Geschenke an die Wohnungslosen verteilt: Gewand, Spielzeugautos und Popcorn. Wir spazieren zum Parque Simon Bolivar in dem Park steht eine Art Mini-Eifelturm mit einem künstlichen Kanal drum herum in dem die Einheimischen Tretboot fahren. Die Essenstände hier machen eher den Eindruck als könnte man hier direkt eine Lebensmittelvergiftung bestellen – wir haben ja zum Glück noch Reste von gestern.

Den letzten Tag nutzen wir für etwas Landesgeschichte – es geht für uns ins Museum Casa de la Libertad – hier gibt es sogar eine englischsprachige Führung, die uns einen Einblick in die Geschichte Boliviens gibt. Außerdem spazieren wir zum Mercado Central – hier gibt es für jede Ware eine eigene Abteilung: ungekühlte Hühner, Avocados, Limetten, Fruchtsäfte, Erdäpfel und viele andere Waren. Wir lassen den Nachmittag bei einem Kaffee in einem Glockenturm mit bester Aussicht auf die umliegende Dachlandschaft ausklingen.

Sucre ist eine sehr gemütliche Stadt – entsprechend bleibt auch der letzte Tag bei uns gemütlich. Wir hätten ja gehofft noch die ein oder andere Kirche von innen zu sehen – damit waren wir aber nicht erfolgreich. Die Kathedrale hat überhaupt nur einmal pro Woche offen, der Erzbischof ist bis Mitte Jänner auf Urlaub und damit die dazugehörige Kirche auch zu und auch bei den meisten anderen Kirchen standen wir vor geschlossenen Türen. Also spazieren wir noch einmal zum Aussichtspunkt nach oben, genießen einen Kaffee und fahren mangels verfügbarer Tagverbindung am Abend weiter.