Tainan, Kaohsiung und Taroko Nationalpark

Nach einer Woche Taipeh geht es gemütlich mit dem Zug in die alte Hauptstadt Tainan. Die ca. 300 km fährt auch der Hochgeschwindigkeitszug in knapp 2 Stunden – wir entschieden uns aber für die doppelte Zeit zum halben Preis und dafür etwas mehr Zeit zum Rasten und Planen. In Tainan gibt es Tempel – sehr viele Tempel – von denen wir am ersten Nachmittag gleich einige besichtigen bevor wir im Taproom der lokalen Brauerei einkehren. Hier gibt es Bier aus der Suppenschüssel – ein sehr lokales Biererlebnis. Auch am nächsten Tag stehen wieder Tempel auf dem Programm: im Tempel des Kriegsgottes wird gerade die Gottesstatue auf eine Trage gebunden und unter Begleitung von Knallkörpern aus dem Tempel getragen.

Die Tempel in Taiwan sind alle sehr gut frequentiert – und das weniger von Touristen, sondern tatsächlich vor allem von den Gläubigen. Die meisten Tempel dienen sowohl für Taoismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Manchmal sind auch zwei Tempel für unterschiedliche Glaubensrichtungen direkt nebeneinander. Die Gläubigen holen sich einige Räucherstäbchen von denen zwei gleich vorm Eingang in die Sandschale kommen, die anderen werden an die jeweiligen Götter im Tempel verteilt, man betet und verbeugt sich. Es gibt Götter für alle möglichen Angelegenheiten: Partnersuche, Krankheit, Kinderwunsch, Literatur, Prüfungserfolg, Krieg usw.

Typisch ist auch die Befragung des zum Thema passenden Gottes – für die Antworten gibt es die Jiaobei, 2 rote Steine in Halbmondform die man fallen lässt und die je nachdem wie sie landen Antworten geben. Außerdem helfen die Jiaobei auch bei der Auswahl des richtigen “Fortune-Sticks” einen Stab den man aus einem Köcher zieht mit einem Zeichen für das es dann eine zugehörige Beschreibung gibt. Spezielle Tempel bieten dann auch noch die Auswahl der richtigen Medikation für eine Erkrankung an: Man trägt dem Gott im Detail sein Leiden vor und zieht dann aus einem von 3 Köchern einen Rezeptstock – mit dem man dann die richtige Medikation erhält.

Im Tempel gibt es neben Räucherstäbchenqualm und vielen Göttern auf unterschiedliche Kammern verteilt auch Tische mit Opfergaben – Obst, Reis aber auch Kekse. Außerdem gibt es immer einen Ofen in dem das “Geistergeld” verbrannt wird – bedrucktes Reis- oder Bambuspapier – zur Besänftigung der Geister.

Was wir in Tainan auch erlebt haben: regen Flugverkehr von Kampfjets am Himmel – immer wieder wird es laut und wir richten die Blicke nach oben. Das Eindringen der Chinesen in den Taiwanesischen Luftraum wird mit verstärkter Präsenz am Himmel beantwortet.

Von Tainan geht es weiter in den Süden nach Kaohsiung – die zweitgrößte Stadt in Taiwan. Wir spazieren einmal um den Lotus-See mit einigen sehr aufwendigen Tempelbauten unter anderem den 7-Stöckigen Drachen- und Tigerpagoden und einer riesigen Statue des Kriegsgottes Xuan Wu. Am Nachmittag geht es zum Hafen mit Blick auf die Skyline. Die alten Warenhäuser beherbergen eine bunte Mischung an Geschäften, Cafes und Restaurants, dazwischen gibt es einiges an Kunst zu entdecken. Wir beobachten den Sonnenuntergang hinter einer Leuchtturmsammlung und schlendern noch etwas durch das belebte Hafenviertel bevor wir bei einem Teigtaschenstand unsere tägliche Dumpling-Ration zu Abend essen.

Der letzte Stopp unserer kompakten Taiwanrundreise ist Hualien an der Ostküste. Von dort geht es in den Taroko-Nationalpark. Ein Nationalpark der anderen Art: ein Highway geht mitten durch, und auf diesem fährt der Shuttlebus, der einen zu den unterschiedlichen Trails bringt. Wir fahren also mit dem Bus bis zu einer der letzten Stationen und spazieren von dort über Trails, teilweise auch entlang der Straße wieder retour. Sehr schöne Ausblicke und ein weniger nachvollziehbares Angebot an Wegnetz zum Verbinden der einzelnen Trails abseits der Hauptstraße, also nehmen auch wir zwischendurch den Shuttlebus. Schluchten, Hängebrücken, Tempelbauten und glasklares Wasser begleiten uns an diesem Tag – ein schöner Abschluss in Taiwan.

Taipeh

Wir sind inzwischen in Taiwan. Nach fast 6 Monaten Südostasien und zum großen Teil tropischem Klima sind wir nun etwas weiter nördlich in den Subtropen. Wir starten in der Hauptstadt Taipeh. Am Flughafen kaufen wir uns gleich unsere Karte für die Öffis im Pokémon-Design und dann geht es unkompliziert mit U-Bahn und Bus zum Hotel – die Corona-Regeln verlangen hier privates Zimmer inkl. privatem Bad. In der Umgebung gibt es unzählige Lokale, einige davon mit langen Warteschlangen und Speisekarten voll mit chinesischen Schriftzeichen – wir halten heute also mal nach Bildern Ausschau und finden sogar eine englische Übersetzung: es gibt Sauer-Scharfe-Suppe und Teigtaschen zum Abendessen – gut und günstig.

Wir starten mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt. Unser erstes Ziel der 228 Memorial Park – kurz vorm Ziel stoßen wir auf ein großes Polizeiaufgebot die einen Gedenkzug verkehrstechnisch begleiten: heute ist nämlich der 2/28 Peace Memorial Day – ein staatlicher Feiertag in Erinnerung an Unruhen 1947 aufgrund eines Zwischenfalls zwischen einer Zigaretten-Verkäuferin und der Polizei. Überall in der Stadt sind kleine oder größere Bühnen für die Abendveranstaltungen aufgebaut, und wir schlendern durch ein sehr ruhiges und gemütliches Taipeh. Zwischendurch holen wir uns Snacks an den unzähligen Essensständen und am Abend gibt es – wie könnte es anders sein – lokales Craft Bier.

Wir spazieren jeden Tag durch einen anderen Stadtteil und besichtigen Tempel, schlendern entlang von Straßenzügen mit unendlich vielen uns unverständlichen bunten Schildern und kosten uns durch die lokale Küche: Dumplings, Beef-Noodle-Soup, Bao Bun, Pepper Bun, Hot and Sour Soupe…

Bei manchen Essensständen gibt es eine handgeschriebene Übersetzung der Speisekarte auf Englisch, in anderen Lokalen hilft Google beim Übersetzen, manchmal wissen wir einfach nicht genau was wir bestellen, aber es war eigentlich alles sehr gut. Eine lokale Spezialität ist Stinky Tofu – den man auf der Straße schon von weitem riecht. Natürlich haben wir das auch probiert und es hat sogar besser geschmeckt als der Geruch erwarten lies, unser Lieblingsgericht wurde es aber nicht.

Den Blick von oben genießen wir vom Taipei 101 – dem höchsten Gebäude des Landes (bei seiner Errichtung 2004 war er noch der höchste Wolkenkratzer der Welt), im Inneren kann man gleich unter der Freiluft-Aussichtsplattform den goldfarbenen Schwingungsdämpfer besichtigen – inkl. einigen Videos in Bewegung bei Erdbeben oder Taifun. Am Rande der Stadt bezwingen wir die sogenannten Four-Beasts, einem Spazierweg entlang vier Hügeln von deren “Gipfel” man den Blick auf die Stadt inklusive Taipei 101 genießen kann. Das bisschen spazieren und Stiegen steigen entpuppt sich für einige hier als richtig anstrengend – und das kurze nicht asphaltierte Wegstück ist für manche schon spektakuläre Wildnis.

Taipeh gefällt uns sehr gut. Es ist modern, organisiert und wahnsinnig sauber – und das obwohl Take-Out sehr beliebt ist, dabei viel Müll anfällt und es relativ selten Mülleimer gibt. Nette Viertel zum schlendern, weitläufige grüne Parks die sehr belebt sind und viele Optionen für gutes und günstiges Essen. Bei den Einheimischen sind die Fotospots sehr beliebt – alleine im Taipei 101 gibt es ein Stockwerk mit unterschiedlichen Szenenhintergründen für das perfekte Fotosetting, aber auch in den Parks sind an allen Ecken Arrangements zum Fotografieren zu finden. Anstellen vorm Restaurant der Wahl gehört hier für viele auch dazu – wir fanden das Essen ohne Anstellen aber auch ausgezeichnet. Im Music-Plaza – einem großen Bereich mit Spiegeln an der Wand bei einem U-Bahn Zugang – treffen sich die jugendlichen in Gruppen um Choreographien zu üben und zu filmen. Eine Melodie weißt auf das Einfahren der U-Bahn hin, und auch die Müllabfuhr hört man hier schon von weitem, denn die kündigt sich zu den Klängen von Beethovens “Für Elise” an.