Amerika – Europa

Wir machen also unsere erste Kreuzfahrt – 14 Tage wird sie dauern und es ist eine so genannte Relocation Cruise bei der das Schiff nach der Karibiksaison für die Sommersaison nach Europa überstellt wird. Durchschnittsalter ist hier ca. 70 – wir stechen also heraus. Wir fahren gleich nach oben in den 14. Stock ins so genannte Crow’s Nest – hier sind wir 6 Stockwerke über der Brücke und schauen auf den Hafen bzw. auf das Kreuzfahrtschiff vor uns – und viele kleine Boote die vorbei fahren.

Stateroom

Bald darauf können wir dann auch schon in unseren Stateroom. Wir sind in einer Innenkabine auf Deck 1 – dem Main Deck untergebracht, noch weiter unten ist nur die Crew. Ein eigenes Badezimmer, Dusche mit warmem Wasser – so einen Luxus hatten wir schon lange nicht mehr. Im Zimmer gibt es außerdem einen Fernseher der allerhand Infos sowie unzählige Filme bereitstellt – wir beschränken uns aber meistens auf die Bugkamera oder die Heckkamera – als Fensterersatz. Wir haben einen Kühlschrank und einige Kästen und sogar einen Schreibtisch, oder eher Schminktisch mit riesen Spiegel. Hier wohnen wir die nächsten zwei Wochen, also packen wir mal unsere Rucksäcke aus und gehen heiß duschen – sehr angenehm. Jetzt sind wir bereit für die Erkundung des Schiffs.

Das Schiff

Die Hauptessensquelle am Schiff ist im 9. Stock und nennt sich Lido Market. Hier gibt es mehr oder weniger durchgehend Essen an unterschiedlichen Ständen. Hier holen wir uns auch gleich unser Mittagessen. Gleich daneben gibt es außerdem das Dive-In (hier kann man sich mit Burger, Hot Dogs und Fries versorgen) und das New York Deli (für Pizza, Sandwich und Salate, bzw am Abend auch Moviesnacks wie Chickenwings, Nachos und Popcorn). Im 2. und 3. Stock ist der Dining Room untergebracht – hier wird serviert und es gibt hier theoretisch einen Dresscode (so richtig enforced wird der aber auch nicht). Im 3. Stock gibt es dann noch das Dutch Cafe – hier bekommt man auch den ganzen Tag Snacks – und “Premium-Cafe” – der kostet aber extra – wir sind mit dem gratis Kaffee im Lido gut versorgt. Zusätzlich gibt es über das ganze Schiff verteilt noch ein paar Spezialitäten Restaurants – die sind in unserem Basis-Paket allerdings nicht dabei, es stellt sich aber auch die Frage wozu man die überhaupt braucht bei der ohnehin sehr umfangreichen Auswahl beim inkludierten Essen – wir haben es bei weitem nicht geschafft alles zu kosten.

Deck 2 und 3 beherbergen neben dem Dining Room auch einige Bars, eine Bibliothek, das Casino und die Bühne, außerdem gibt es auf Deck 3 einen Außenspazierweg bei dem man die Rettungsboote begutachten kann.

Im 9. Stock gibt es neben dem Essen außerdem ein Innen- und ein Außenpool sowie Whirlpools und ein Fitnesscenter. Der Wellnessbereich inkl. Sauna ist hier auch untergebracht – der kostet aber extra.

Im Deck 11 befindet sich gut versteckt die Spielhalle mit Flipper, riesen Wuzzler, Playstation und Airhockey – hier sind wir meistens die einzigen Besucher.

Deck 12 Ist das Panoramadeck mit Sportplatz (hier ist Pickleball der Dauerbrenner) und einer Laufstrecke. Hier kann man schnell von einer Schiffsseite zur anderen wechseln und hat den besten Ausblick auf den Hafen – von hier beobachten wir das Auslaufen aus dem Hafen und sehen auch wie der Pilot wieder abgeholt wird.

Darüber gibt es noch das Crow’s Nest – hier gibt es auch ein Cafe und eine gute Aussicht. Außdem gibt es hier Schachtische und Brettspiele.

Entertainment

Am Schiff wird rund um die Uhr Programm angeboten: Linedance, Pickleball Instructions, Brigde Instructions für Anfänger und Fortgeschrittene, Ausmalen, Vorträge über die Must-have Reiseapps, Workshops über Reiseplanung oder das Teilen von Reisefotos und Fotobearbeitung, am Nachmittag gibt es meistens Bingo gefolgt von einer Art Pubquiz und am Abend gibt es dann Livemusik in den Bars und eine Show auf der Bühne (Comedy oder Musical). Für die Tage auf See gab es sogar einen “Classic Cruise Games” Wettkampf. Wer mit all den Programmpunkten nicht ausgelastet ist kann, solange man auf hoher See ist mehr oder weniger rund um die Uhr sein Geld im Casino verspielen oder bei den regelmäßigen Versteigerungen der schiffseigenen Kunstgallerie Kunst erwerben. Für die Reisenden die übersehen haben, dass sie nach Nord-Europa reisen und eine Jacke zu dieser Jahreszeit durchaus angenehm sein kann gibt es natürlich auch das richtige Shoppingangebot an Bord – alles mit Holland America Line Branding.

Was es auf Kreuzfahrtschiffen auch gibt: Cruising Ducks. Schon am ersten Tag habe ich zwei Plastikenten gesehen, bei der ersten hab ich mir noch gedacht die hat wer verloren, bei der zweiten hab ich mich schon gewundert was es damit auf sich hat. Einige Tage später habe ich dann wieder eine gefunden diesmal war die Beschreibung eindeutig: “Oh, what luck. You found a duck! Keep or hide, you decide.” – also haben wir die Ente vorläufig mal mitgenommen.

Die anderen Passagiere

Die Mehrheit der Passagiere waren aus den USA und Kanada, einige davon Kriegsveteranen – die hatten sogar ein eigenes Treffen im Programm. Wer sich auch täglich getroffen hat: “Friends of Bill W” – die anonymen Alkoholiker, auch dafür scheint es Bedarf zu geben. Was auch aufgefallen ist, die Unmengen an Wasser in Dosen die eingeladen wurden – wer nimmt schon gratis Trinkwasser wenn man sein Wasser auch teuer in Dosen kaufen kann? Auch beim Essen war es immer lustig, am europäischen Abend gab es Wiener Schnitzel auf der Speisekarte – wenn man das so bestellen wollte hat es aber keiner Verstanden, nur Schnitzel (ohne Wiener) hat dann funktioniert. Fleisch war sowieso der dominierende Anteil beim Buffet, sogar wenn man einen Gemüsewok bestellt hat kam noch öfter die Nachfrage welches Fleisch man denn gerne hinein hätte. Passagiere beobachten war natürlich auch sehr interessant, vor allem an den ersten Tagen konnte man viele glückliche Männer sehen, die das Buffet mit einem Teller von Fleisch verlassen haben und auf die Frage der Frauen “Willst du gar kein Gemüse dazu?” ganz glücklich mit “nein” geantwortet haben.

Unser Programm

Am zweiten Abend gab es eine Begrüßung vom Kapitän inklusive Welcome Drink, im Anschluss sind wir gleich fürs Musical geblieben. Sonst waren wir öfter im Fitnesscenter und am Nachmittag in der Spielhalle Flippern, Airhockey Spielen oder Wuzzeln, aber das ist bei dem großen Tisch zu zweit gar nicht so unanstrengend. Am Abend haben wir öfter Spiel des Lebens im Crow’s Nest gespielt oder Schach – wir haben sogar einmal jemanden beobachet der Jenga gespielt hat (oder besser gesagt es versucht hat), das ist bei Seegang aber eine zusätzliche Herausforderung. Den Comedian und den Zauberer die für die Abendunterhaltung an Bord waren haben wir uns auch angeschaut. Unser Bordguthaben haben wir in der Happy Hour investiert – man will ja möglichst viel davon haben und da die Happy Hour mit dem Pubquiz zusammen gefallen ist haben wir hier auch öfter mitgeraten. Am frühen Abend gab es hin und wieder eine Ballroom-Dance-Hour – da haben wir auch einmal einen langsamen Walzer aufs Parkett gelegt. Im Whirlpool waren wir natürlich auch, vor allem gegen Ende der Cruise war das angenehm wo es draussen kalt war – interessanterweise war der Rest der Gäste dann nämlich nicht mehr dort anzutreffen. Die Tage auf See waren sehr angenehm, langweilig wird einem auf so einem Schiff nicht und verhungern muss auch keiner.

Landgänge

1 // Nach zwei Tagen auf See war der erste Landgang Bermuda, ein britisches Überseegebiet, wo wir an der King’s Wharf anlegen. Wir spazieren durch das Royal Naval Dockyard und kosten uns in der Brauerei durch das Bierangebot. Überpünktlich sind wir wieder am Schiff und beobachten die ankommenden Passagiere. Nach und nach kommen die Tourbusse zurück: Stockerl raus damit der Schritt aus dem Bus machbar ist, dann werden sämtliche Rollstühle und Rollatoren ausgeladen und zum Schluss die Gäste. Ein Gast hat sich gleich beim ersten Landgang verletzt und muss vom Schiffsarzt abgeholt werden. Was wir auch festgestellt haben, so pünktlich muss man gar nicht sein denn es wird eh auf alle gewartet, eine Dame kommt erst eine halbe Stunde nachdem wir eigentlich an Bord sein sollten – und eilig hat sie es selbst dann nicht.

2 // Als nächstes folgten 6 Tage an Bord in denen wir den Atlantik überquert haben bevor wir in Irland im Hafen von Cork (Cobh) anlegen. Die Iren schicken Grenzbeamte aufs Schiff für die Passkontrolle und Stempeln allen brav ihre Aufenthaltsgenehmigung in den Pass – sogar uns (denn angeschaut haben sie weder das Foto, noch den Pass, noch den Passagier). Cobh hieß früher Queenstown und war der letzte Hafen den die Titanic angesteuert hat bevor sie über den Atlantik nach New York aufgebrochen ist, also gibt es hier auch ein Titanic Museum. Wir kaufen uns die Eintrittskarten – ein Ticket für eine Reise mit der Titanic und begeben uns auf die Spuren des Schiffs, am Ende erfahren wir ob unsere Ticket-Halter überlebt haben. Nach der Titanic-Experience besichtigen wir die Kathedrale und spazieren entlang der “Deck of Cards” – einer sehr bunten Häuserreihe, dann geht es ins Pub auf ein Guinness.

3 // Unser nächster Landgang ist in Guernsey – hier legen wir aber nicht am Hafen an sondern müssen mit Tenderbooten an Land fahren, hierfür werden die Rettungsboote genutzt. Bis sämtliche Passagiere mit ihren Rollatoren und Rollstühlen von Bord sind dauert es, es bleibt also nur Zeit für einen kurzen Spaziergang durch die Stadt bevor wir auch hier das lokale Bier verkosten.

4 // Den nächsten Landgang machen wir in Le Havre, die größte Stadt der Normandie. Die Stadt wurde im zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört und dann nach Plänen von Auguste Perret als “Poesie in Beton” komplett neu errichtet. Wir besuchen die Kirche Saint-Joseph mit ihrem markanten 8-eckigen Turm das Symbol des Wiederaufbaus. Außerdem geht es vorbei an dem vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfenen Le Volcan der ein Theater und eine Bibliothek beherbergt. Frisches Baguette und ein Pain au Chocolate dürfen beim Landgang natürlich auch nicht fehlen.

5 // Besonders weit ist der Weg zum nächsten Landgang nicht, wir queren den Ärmelkanal und gehen in Dover an Land, Dover ist die englische Stadt die dem europäischen Festland am nächsten ist. Hier sehen wir schon vom Boot aus Dover Castle und die weißen Kreidefelsen – White Cliffs of Dover. Wir spazieren vorbei am Zentrum bis zur Burg wo wir eine Führung durch die unterirdischen Tunnel die im zweiten Weltkrieg als Bunker genutzt wurden machen. Wir besichtigen die Burg und spazieren dann noch durch die Stadt bevor es ein letztes Mal aufs Boot geht.

Es geht wieder zum europäischen Festland nach Rotterdam. Als wir aufwachen liegt unser Schiff bereits vor Anker. Heute Frühstücken wir ein letztes Mal auf der Nieuw Statendam. Während wir noch Frühstücken verlassen die ersten Passagiere schon das Schiff – jedoch mit Verzögerung, da das Schiff von Demonstranten empfangen wurde. Nach dem Frühstück holen auch wir unsere Rucksäcke und verlassen das Schiff – in der Ankunftshalle können wir mit unserem EU-Pass gleich an allen vorbei gehen – dann geht es auch gleich über die Erasmusbrücke (von der wir noch einmal einen Blick auf unser Schiff werfen) in die Stadt ins Hostel.