Mit dem Segelboot von Kolumbien nach Panama

In Cartagena geht es für uns aufs Segelboot – genauer gesagt auf ein ziemlich authentisches Piratenboot. Insgesamt 15 Passagiere, der Kapitän (ein Südtiroler) und 3 Crew-Mitglieder sind an Bord. Wir beziehen unsere Koje und genießen dann den Sonnenuntergang vom Boot aus bevor wir auslaufen. Zwei Nächte und einen Tag Segeln wir auf offenem Meer durch die Karibische See bevor wir mit den San Blas Inseln vor der Küste Panamas wieder Land in Sicht haben werden.

Am ersten Abend genießen wir die Fahrt hinaus aus dem Hafen und sind im Bett bevor der Seegang zu stark wird. Am nächsten Morgen sind die Kübel an Bord im Dauereinsatz – zum Glück bleibt uns beiden das erspart und wir beobachten nur den großen Rest der Gruppe wie sie leiden. Das Frühstück beschränkt sich heute auf bereits fertig belegte Sandwiches die nach Bedarf zu jeder Zeit abgeholt werden können und auch beim Mittagessen wird zuerst in die Runde gefragt wer überhaupt was will – dann gibt es für einen Teil der Gruppe Nudeln mit Pesto. in einer Hand die Schüssel, die andere wechselt zwischen Gabel und am Boot anhalten – es wackelt doch ordentlich. Bis zum Abend geht es den meisten dann wieder einigermaßen gut und der ein oder andere genießt das erste Bier, außerdem sind beim Abendessen wieder fast alle vertreten.

Heute wachen wir auf, weil das Schaukeln nach lässt und wir auf ruhigere See einfahren bis wir vor einer wunderschönen kleinen Karibischen Insel ankern – wir haben die San Blas Inseln erreicht. Die Inselgruppe gehören zur Comorca Guna Yala einem autonomen Verwaltungsgebiet der indigenen Kuna vor Panamas Küste. Von den rund 370 Inseln sind nur ca 60 bewohnt, die meisten sind also wunderschöne einsame Inselchen mit weißen, Palmengesäumten Sandstränden. Wir verbringen den Vormittag vor Isla Banedup sehr gemütlich: Sonnen, Schnorcheln und genießen, ein paar andere Boote sind auch da und auf der Insel gibt es sogar eine Bar. Nach dem Mittagessen geht es zur nächsten Insel mit ähnlichem Programm. Am späten Nachmittag geht es dann zur dritten Insel des Tages. Hier sind wir das einzige Boot, es gibt Fisch zum Abendessen (leider nicht selbst gefangen, dafür von den lokalen Fischern gekauft) und im Anschluss gibt es noch ein Lagerfeuer auf der Insel.

Nach dem Frühstück geht es für uns heute zur Hauptinsel El Porvenir zur Immigration um offiziell in Panama einzureisen. Während wir vor Anker liegen kommt ein Verkaufsboot vorbei – eines bringt frischen Fisch, ein anderes hat Obst und Rum an Bord – mit dem Rum machen sie auf unserem Boot gleich ein gutes Geschäft. Ein paar unserer Truppe fahren dann noch zur nächsten Insel Bier einkaufen (der Bierverbrauch war scheinbar höher als gedacht) und dann geht es wieder ein Stück des Weges Retour zur Isla Chichime – hier wird wieder relaxed.

Den dritten Tag in den San Blas Inseln verbringen wir zwischen der Insel Perro Grande und Nugú Dup. Am Nachmittag wird auf der Insel Fisch gegrillt, beim Schnorcheln sehen wir hier einen Feuerfisch, einen Seestern viele Korallen und auch einen kleinen Rochen. Als wir am Abend am Boot sind schwimmt einige Male ein großer Rochen vorbei.

Nach einer letzten Nacht am Segelboot holt uns ein lokales Taxiboot ab und bringt uns nach Cali, aufs Panamaische Festland. Dann geht es noch mit dem Auto einmal quer durch Panama nach Panama City.

Cartagena

Nach fast vier Wochen ohne viel Programm und abseits größerer Städte geht es für uns nach Cartagena. Hier gibt es mal wieder Sightseeing – allerdings unter erschwerten Bedingungen denn es ist unfassbar heiß, es gibt sogar eine Hitzewarnung.

Wir drehen eine Runde durch die Altstadt – unterbrochen von einem Besuch im Goldmuseum, sogar der Reiseführer schlägt es aufgrund der Klimaanlage vor – bei der Hitze sehr willkommen und gratis ist es außerdem. Neben Artefakten aus Gold sind auch eine Art Flöte (Okarina) ausgestellt und es werden auch andere traditionelle Handwerke der Indigenen vorgestellt, wie die Weberei von Hüten aus Palmenblättern. Das letzte Stück unserer Route geht dann vom ehemaligen Gefängnis (in dem heute Souvenirläden die Zellen ausfüllen) entlang der Stadtmauer mit Blick aufs Meer – dazwischen natürlich eine stark befahrene Straße.

Nach unserer Altstadterkundung spazieren wir wieder zurück nach Getsemani, ein Künstlerviertel in dem auch unser Hostel ist. Nach kurzer Pause erkunden wir die Gassen rund um unser Hostel und gönnen uns ein Eis. Dann wird noch lokales Bier verkostet und zu Abend gegessen.

Unverhofft kommt oft und so haben wir noch einen weiteren vollen Tag in Cartagena – denn unsere Weiterreise verzögert sich um einen Tag. Wir nutzen die Chance unsere Wäsche mal wieder waschen zu lassen – in der Casa Viena bei einem Österreicher.

Bei angenehmeren Temperaturen können wir heute nocheinmal ausgiebig durch Getsemani spazieren und die letzten Erledigungen für die Weiterreise machen. Getsemani ist ein sehr buntes Viertel, alle paar Meter eine Kunstgalerie, teilweise kann man den Künstlern beim Malen zuschauen. Wir holen uns wieder ein Eis, essen nocheinmal Arepas und Cheviche Tacos und genießen den Tag. Am Abend ist hier auch einiges los, nach so langer Zeit in der wir bei Einbruch der Dunkelheit immer schon im Hostel waren genießen wir es heute durch das Treiben zu spazieren in unmittelbarer Nähe zu unserem Quartier wo wir dann noch gemütlich auf der Dachterasse sitzen.

Heute heißt es dann wirklich packen und die Zeit sinnvoll nutzen um endlich mal wieder die Blogbeiträge zu schreiben bzw. mit Fotos zu versehen – ist euch wohl aufgefallen dass wir hier etwas hinten nach sind, aber die Zeit des nichts Tuns haben wir wirklich gebraucht um mit frischer Energie in den nächsten (letzen?) Teil der Reise zu starten.

Minca

Nach drei Wochen an der Küste geht es jetzt nocheinmal ein bisschen ins Hinterland – allerdings trotzdem mit Meerblick. Minca ist für Vogelbeobachtungen bekannt – außerdem ein bisschen Kaffee und Kakao.

Unser Quartier ist etwas abseits des ohnehin schon sehr kleinen Ortes – perfekt um dem entschleunigenden Hobby der Vogelbeobachtung nach zu gehen. Stundenlang beobachten wir Kolibris und zwischendurch auch noch andere Vögel – unsere ornithologischen Fähigkeiten zur Vogelidentifikation sind noch ausbaubar, es waren aber meist sehr bunte Vögel: knallrot, gelb-schwarz, pastellblau. Neben Vögeln können wir auch die Leute mit ihren überdimensionalen Objektiven und Ferngläsern beobachten die mehrtägige Vogelbeobachtungstouren mit Rangern unternehmen – inkl. Soundsystem um die gewünschten Vögel anzulocken.

Einen kleinen Spaziergang entfernt kommen wir zu einer Kaffeefarm wo wir eine Führung durch die Verarbeitungshallen machen. Begeistert berichtet der Guide, dass die Produktion mit Wasserkraft betrieben wird und die Maschinerie perfekt zu warten ist – denn die Maschinen haben schon einige Jahre auf dem Buckel und alles kann selbst repariert werden – einfach einen Draht herum wickeln, dann rennt das Werkl wieder – keine teuren Ersatzteile die man sich eh nicht leisten kann und auf die man ewig warten würde notwendig. Im Anschluss verkosten wir den Kaffee sowie auch das Bier der benachbarten Brauerei.

Zwei Nächte verbringen wir dann noch auf einer kleinen Kaffee- und Kakaofarm. Hier machen wir eine Tour durch die Plantage und kosten frische Kakaobohnen und testen auch die dazugehörige Kosmetik: Peeling und Kakao-Gesichtsmaske.

Taganga

Nachdem aus einer Woche Pause in Palomino gleich zwei geworden sind, wird es Zeit wieder weiter zu ziehen. Es geht die Küste entlang in den Westen wo wir in Taganga eine weitere Woche an der Küste verbringen – viel aktiver wird es also noch nicht. Taganga liegt in unmittelbarer Nähe zum Tayrona Nationalpark – der meist besuchte Nationalpark Kolombiens. Da uns das etwas zu überlaufen klingt lassen wir den Landteil des Nationalparks aus und erkunden die zugehörige Unterwasserwelt von Taganga aus.

Mit dem Tauchboot fahren wir zum Nationalpark wo wir zwei Tauchgänge machen. Einen Feuerfisch, zwei Seepferchen und eine Muräne, eine Seegurke und eine Seeschlange sehen wir außerdem einige Seeigel – und natürlich viele andere Fische die wir noch nicht benennen können. Ziemlich kalt ist es hier im Vergleich zu unseren bisherigen Tauchspots, es hat uns aber trotzdem wieder sehr gut gefallen.

Taganga selbst ist nicht so überzeugend – den Strand sieht man vor lauter Booten kaum. Zum Glück hatten wir aber ohnedies einen Pool zum abkühlen und gemütliche Hängematten im Quartier – optimal zum Zweck der weiteren Erholung.

Palomino

Von Guatape geht es wieder retour nach Medellín – geplant war dann die Route in den Süden Richtung Salento einzuschlagen, dann weiter nach Bogotá um uns dann mit einigen Stops in den Norden bis an die Karibikküste hoch zu arbeiten. Daraus ist aber nichts geworden, denn der/die Weltreisende sehnt sich nach einer ausgedehnten Reisepause am Strand und zwar sofort. Die letzte Routenänderung hat uns ja um unsere geplanten Strandpausen im norden Perus und Equador gebracht, also entscheiden wir uns Kolumbien abzukürzen und direkt nach Palomino an die kolombianische Karibikküste zu fahren.

Eine lange Nachtbusfahrt später kommen wir an. Meer, Strand, Palmen und Hängematten – dazwischen kolumbianischer Kaffee aus der nahen Sierra Nevada – hier lässt es sich gut pausieren.

Medellín und Guatapé

Von Lima hätte es ja eigentlich noch in den Norden Perus und dann über Land via Equador nach Kolumbien gehen sollen – der Ausnahmezustand in Equador bedeutet für uns aber umplanen, somit fliegen wir ab Lima direkt nach Medellín. Den Norden Perus sehen wir also nur von oben – der Blick vom Flieger auf die Cordillera Huayhuash und den Amazonas ist aber auch nicht schlecht (Equador überfliegen wir nichteinmal, denn die Flugroute geht knapp östlich vorbei).

Unsere Zeit in Kolumbien startet in Medellín wo wir den ersten vollen Tag gleich nutzen um mit der Metro in die mäßig beeindruckende Altstadt zu fahren. Wir spazieren durchs Zentrum und beenden die Erkundung mal wieder bei einem aufgelassenen Bahnhof – typisch Südamerika.

Tag zwei steht eine Tour durch die Comuna 13 am Programm – vor wenigen Jahren noch der gefährlichste Stadtteil Medellíns bzw. sogar eines der gefährlichsten Viertel der Welt. Der Bezirk war (und ist es mögllicherweise immer noch) eine Drehscheibe für den Schmuggel von Drogen und auch Waffen, eine Hochburg für Drogenkartelle, Guerillas, Banden und paramilitärische Gruppen.

Mitte Oktober 2002 wurde mit der Operación Orión eine der größten kolumbianischen Militäraktionen in der Comuna 13 durchgeführt. Militärs und mit ihnen agierende Paramilitärs die von Hubschraubern unterstützt wurden, durchkämmten die schmalen Gassen des Viertels tagelang. Eine umstrittene Razzia mit vielen Todesopfern die in der nahen Müllhalde La Escombrera verscharrt wurden – eines der größten Massengräber der Welt und weiterhin als Müllhalde genutzt. Offiziell sollte die Comuna 13 von städtischen Milizen der FARC-Guerilla gesäubert werden, inoffiziell übernahmen die Paramilitärs die Kontrolle über die Drogenrouten – die Ruhe im Viertel steht also auf fragilen Beinen.

Nach der Razzia investierte die Regierung in Gemeindezentren und in die Sanierung der Backsteinbauten, am Rande des Viertels entstanden neue Wohnblocks, außerdem wurden die Escaleras Eléctricas (Rolltreppen) gebaut die sich über ca. 384m erstrecken und tiefer gelegene Viertel der Comuna 13 mit höher gelegenen verbinden.

Backsteinhäuser, aber auch improvisierte Baracken, viele Stiegen, dazwischen bunte Graffitis und die neuen Rolltreppen die den Alltag erleichtern prägen das Viertel heute. Mittendrin Jugendliche die mit Hip-Hop-Performances ihr Geld verdienen und unzählige Touristen die sich das bunte Viertel anschauen. Politische Graffitis sind nicht mehr erlaubt – die Geschichte und den Alltag der Comuna rund um Bandenkriege, Vertreibung und Gewalt welcher früher bestimmendes Thema der Graffitis war findet man heute nicht mehr.

Die Walking Tour mit den Infos rund um die Comuna 13 war sehr interessant, wir spazieren im Anschluss noch ein Stück entlang des Boulevards bevor wir die Rolltreppe hinunter nehmen. Den Nachmittag verbringen wir an Bord der Metrocable – der lokalen Seilbahn, mit der wir über sämtliche Teile der Stadt fahren und bis zum Abend beschäftigt sind, dann geht es noch in den Taproom einer lokalen Brauerei wo wir den Abend ausklingen lassen.

Weiter geht es mit dem Bus ins nahegelegene Guatapé, einer kleinen bunten Stadt an einem Stausee gelegen. Der See wurde für den Bau eines Wasserkraftwerkes aufgestaut und ist ein beliebter Ort für sämtliche Wassersportaktivitäten, passend dazu gibt es eine riesen Auswahl an Resorts am See für die einheimischen Touristen.

Außerdem ist die Gegend für El Peñol, einem riesigen Felsen am Ufer des Sees bekannt. 200m ragt der Granitblock an dessen Seite sich eine Treppe hinauf windet aus der Landschaft und soll eine schöne Aussicht bieten – wir lassen den Aufstieg aber aus, wer zahlt denn schon, damit er in Kolonne unzählige Stiegen hinauf stapfen darf…

Die Stadt selbst besticht durch ihre farbenfrohen Häuser mit den “Zocalos” bunte Reliefs im unteren Bereich der Außenmauern auf sämtlichen Häusern der Stadt – manche einfach nur dekorativ während andere Aufschluss über das im Haus befindliche Unternehmen geben. Groß ist die Stadt ja nicht, trotzdem scheint es Bedarf an Taxis gegeben – so fahren durch die bunten Gassen auch noch farbenfrohe Motortaxis die die faulen Besucher von A nach B transportieren.