Unsere letzte Stadt in Südkorea ist Busan. Eine Hafenstadt in der wir ein paar gemütliche Tage verbringen. Wir starten die Erkundung mit dem Stadtteil Gamcheon, einer ehemaligen Flüchtlingssiedlung die durch ein Kunstprojekt inzwischen sehr bunt ist. Viele bunte Häuser mit verwinkelten Gassen entlang eines Berghanges, dazwischen Kunstprojekte mit endlosen Schlangen wartender Touristen die sich alle für das gleiche Foto anstellen. Was es in Korea neben Warteschlangen auch überall gab: Stempel und dazugehörige Stempelpässe. In der Gamcheon Culture Village war der Stadtplan mit dem Stempelpass verbunden, also haben wir diesmal auch brav alle Stempel gesammelt.
Wie immer haben wir natürlich auch die Aussicht vom Fernsehturm genossen – auch hier mit Rätselralley und einem Schnapsglas als Belohnung. Wir haben einen windigen Küstenspaziergang entlang des Igidae-Parks gemacht, sind durch den großen lokalen Lebendfischmarkt und seinen überfluteten Boden gewartet und haben den Ausblick vom Strand aufs Meer und den Touristen-Booten mit eigenem Mini-Feuerwerk genossen. Außerdem steht in Busan das Shinsegae – das weltweit größte Shoppingcenter – durch das wir spaziert sind. Zum Abschluss haben wir uns noch einmal Korean-BBQ als Abendessen gegönnt.
Für die Weiterreise nach Japan haben wir uns für die Fährverbindung über Nacht entschieden – alternativ wäre es auch in knapp über 3 Stunden mit dem Tragflügelboot gegangen. Wir hatten eine kleine Kabine mit Stockbett und einem Tisch vorm Fenster mit bester Aussicht auf den Hafen. Wir hatten eher stürmisches Wetter und somit entsprechenden Wellengang der uns in den Schlaf geschaukelt hat.
Mit dem Zug fahren wir nach Andong, eine kleine Stadt die außer der örtlichen Brauerei, die in einem traditionellen Gebäude ihr Bier ausschenkt nicht viel zu bieten hat. Nicht weit von hier liegt unser eigentliches Ziel: Hahoe, ein historisches Dorf der Joseon-Dynastie. Die Häuser sind traditionell mit Stroh gedeckt, die Kirschbäume beginnen gerade zu blühen. Die Stimmung eines Dorfes wie früher wird nur von den PKW, die zwischen den traditionellen Häusern und Gärten parken und den Plastik-Planen gedeckten Hauserweiterungen gestört.
Der nächste Stop ist in Gyeongju – auch als Museum ohne Dach bezeichnet. Früher lag hier die Hautpstadt des Königreichs Silla, heute fallen sofort die “Tumuli” (Grabhügel) auf welche die Stadt säumen. Dazwischen gibt es Tempel, den Wolji-Teich mit Palastgebäuden, Gartenanlagen und einige andere historische Gebäude zu erkunden – wir beschränken uns auf das Zentrum der Stadt das gerade in blühenden Kirschbäumen untergeht und eine kleine Wanderung auf den Namsan bevor wir dann zum nahegelegenen Golgulsa-Tempel reisen.
Im Tempel angekommen bekommen wir unser Tempel-Outfit: eine Weste und eine weite Hose. Nach einer kurzen Einführung über die Etikette im Tempel geht das Programm auch schon mit dem Sunmudo-Training los. Sunmudo ist eine koreanische Tempelkampfkunst, die Zen-Meditation, Yoga, Tai Chi und Qi-Gong mit traditionellen koreanischen Kampfkünsten verbindet. Nach der ersten Trainingseinheit in Sunmudo wird meditiert und dann geht es weiter mit 108 Verbeugungen. Vegetarisches Abendessen gibt es um 18:00 und spätestens um 21:00 ist Bettruhe – der nächste Tag beginnt um 5:00 mit dem Weckruf der Mönche und um halb 6 sitzen wir schon selbst in der Buddha-Halle und murmeln das monotone Morgengebet, dann wird meditiert. Nach der morgendlichen Meditation geht es zum Frühstück und dann zum Sunmudo-Training mit Meditation. Dann leisten wir einem Mönch beim Morgengebet Gesellschaft bevor wir mit einem anderen Mönch Teetrinken. Weiter geht es mit dem Mittagessen, Meditation um dann wieder wie schon am ersten Tag beim Sunmudotraining zu schwitzen, anschließend zu meditieren und unseren Muskelkater bei weiteren 108 Verbeugungen zu pflegen. Falls das Programm jemand nachmachen will hier noch einmal übersichtlich:
Drei Nächte haben wir auf dünnen Matten in geschlechtergetrennten Räumlichkeiten die meditative Ruhe genossen und die Basics in Sunmudo trainiert bevor es wieder zurück in die Zivilisation und weiter zu unserem letzten Ziel in Südkorea geht.
Wir landen in Südkorea – hier gibt es am Flughafen beheizte Klobrillen – und fahren mit der U-Bahn nach Seoul. Wir wählen ein Lokal bei dem die Gäste eigentlich ihre Bestellung selbst aufschreiben: das abmalen der Zeichen ersparen sie uns aber und etwas Englisch spricht die Kellnerin zum Glück auch, denn die Anordnung der Zeichen im Menü-Design (untereinander) ist nicht Übersetzungsapp-freundlich. Wir bekommen Nudelsuppe, dazu Gemüse-Spieße, gebackene Hühnerfilets und dazu Koreanisches Bier – ein leckeres erstes Abendessen. Gleich nebenan ist noch eine kleine Craft-Bier-Bar die wir natürlich noch besuchen und dann geht’s auch ins Bett, natürlich nicht ohne noch nach in Korea besonders populären E-Sport im Fernsehen zu suchen.
Der erste volle Tag in Seoul: Minusgrade und Regen – also bestes Museumswetter. Zum Glück hat Seoul ein sehr interessantes War-Memorial-Museum in dem wir uns über die Kriegsgeschichte in Korea informieren. Tag zwei ist fast noch kälter, also halten wir den Radius gering – nach so viel Sommer ist es für uns einfach viel zu kalt und wir müssen uns ohnedies mal etwas mit unserer Reiseroute beschäftigen. Am dritten Tag gibt es endlich wieder Sonne, und damit auch angenehmere Temperaturen und wir starten die Erkundungen mit einem ausgedehnten Stadtspaziergang, den wir am Seoul Tower mit Aussicht auf den Sonnenuntergang ausklingen lassen. Wir besuchen den Gyeongbokgung – “Palast der strahlenden Glücksseligkeit”, den ersten und größten Palast welcher in Korea von der Joseon-Dynastie errichtet wurde. Gleich ums Eck wird die regionale Tracht verliehen, das nutzen viele um sich im Palast in Tracht zu fotografieren und es sind nahezu mehr “verkleidete” Touristen im Palast als solche in normaler Streetware. Das gleiche Phänomen gibt es auch in der Bukchon Hanok Village, einem Stadtteil in dem die traditionelle Bebauung Koreas erhalten wurde und man in den engen Gassen zwischen den niedrigen Hanoks in das typische Korea vor 600 Jahren eintauchen kann. Auch den Jongmyo Schrein schauen wir uns an. Zwei Hallen ausschließlich zur Aufbewahrung von Gedenktafeln vergangener Könige und Königinnen für die immer noch jährlich Gedenkrituale veranstaltet werden, obwohl Südkorea schon lange eine Republik ist – darum gilt der Schrein und seine Ahnenverehrung als Weltkulturerbe. Außerdem fahren wir nach Suwon wo wir entlang der Mauer der Hwaseong Festung spazieren, die bis auf ein kleines Teilstück fast vollständig erhalten bzw. wiederaufgebaut wurde (gilt auch als Weltkulturerbe).
Was natürlich auch nicht fehlen darf ist ein Besuch in Gangnam. Wir flanieren entlang der K-Pop-Avenue wo sich die Geschäfte der Designerlabel aneinander reihen und die lokalen K-Pop stars geehrt werden und besichtigen den hiesigen Tempel, der gleich gegenüber einem großen Einkaufszentrum liegt. Am Gangnam Square gibt es Psy und seinem Song Gangnam Style zu Ehren natürlich auch ein Foto und zum Abendessen gibt es für uns heute endlich Korean BBQ – und zwar mit lokaler Unterstützung: wir treffen einen alten Freund von Alex aus Studienzeiten, der mit uns das hier so beliebte Gericht essen geht. Ein Tischgrill auf dem das Schweinefleisch für uns von den Kellnern gegrillt wird davor gibt es eine Suppe, dazu Gemüse und Dips und zum Abschluss Kimchi-Stew. Ein sehr netter Abend, und endlich einmal die Chance sich gemütlich auf Englisch mit einem Einheimischen zu unterhalten.
Ein Tagesausflug in den Norden zur DMZ gehört in Seoul natürlich auch dazu. Die DMZ (Demilitarisierte Zone) ist ein 4 km breiter Streifen entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea (2km auf jeder Seite). Innerhalb dieser Zone liegt die JSA (Joint Security Area, gemeinsame Sicherheitszone) mit den drei bekannten blauen Baracken durch die die Grenze zwischen Nord- und Südkorea verläuft. Die JSA selbst ist zur Zeit leider nicht offen, aber innerhalb eines Tunnels konnten wir uns bis auf 170m der Grenze annähern. Der Tunnel ist einer von vier entdeckten Tunnel, welche zu Angriffszwecken von Nordkorea nach Südkorea gegraben wurden. Die Tour hat uns zu einigen Aussichtspunkten gebracht wo man nach Nordkorea schauen konnte. Alle Aussichtspunkte sind bestens mit Ferngläsern ausgestattet mit denen wir die Nordkoreaner bei der Feldarbeit oder die Nordkoreanischen Wachposten beobachten konnten.
Die Straßen in Seoul sind am Vormittag und Nachmittag relativ ruhig. Mittags füllen sich Cafes in Rekordgeschwindigkeit um dann den restlichen Nachmittag wieder leer auf Gäste zu warten. In Restaurants geht man hier ausschließlich zum Essen, sitzen bleiben wenn man nicht mehr isst gibt es nicht. In Bars wird oft Essen bestellt das dann nahezu unangetastet stehen bleibt. Google-Maps funktioniert hier aufgrund des andauernden Konflikts mit Nordkorea kaum, schon gar nicht wenn man einen Fußweg wissen will. Die U-Bahn fährt auch hier mit Musik ein und die Stadt ist gesäumt von Photo-Booth-Boxen. Hier gibt es Glätteisen, Make-Up und unzählige Haarreifen, Hüte oder sonstige Foto-Props für die perfekte Foto-Serie. Schießstände sind inmitten der noblen Restaurants und zieren ihre Auslagen mit Teddybären und Waffen. Seoul hat uns so gut gefallen, dass wir unseren Aufenthalt 2x verlängert haben, auch wenn wir dadurch jedesmal das Hotel wechseln mussten, bevor wir uns nach Süden aufs Land vorwagen.