Von Lima hätte es ja eigentlich noch in den Norden Perus und dann über Land via Equador nach Kolumbien gehen sollen – der Ausnahmezustand in Equador bedeutet für uns aber umplanen, somit fliegen wir ab Lima direkt nach Medellín. Den Norden Perus sehen wir also nur von oben – der Blick vom Flieger auf die Cordillera Huayhuash und den Amazonas ist aber auch nicht schlecht (Equador überfliegen wir nichteinmal, denn die Flugroute geht knapp östlich vorbei).
Unsere Zeit in Kolumbien startet in Medellín wo wir den ersten vollen Tag gleich nutzen um mit der Metro in die mäßig beeindruckende Altstadt zu fahren. Wir spazieren durchs Zentrum und beenden die Erkundung mal wieder bei einem aufgelassenen Bahnhof – typisch Südamerika.



Tag zwei steht eine Tour durch die Comuna 13 am Programm – vor wenigen Jahren noch der gefährlichste Stadtteil Medellíns bzw. sogar eines der gefährlichsten Viertel der Welt. Der Bezirk war (und ist es mögllicherweise immer noch) eine Drehscheibe für den Schmuggel von Drogen und auch Waffen, eine Hochburg für Drogenkartelle, Guerillas, Banden und paramilitärische Gruppen.

Mitte Oktober 2002 wurde mit der Operación Orión eine der größten kolumbianischen Militäraktionen in der Comuna 13 durchgeführt. Militärs und mit ihnen agierende Paramilitärs die von Hubschraubern unterstützt wurden, durchkämmten die schmalen Gassen des Viertels tagelang. Eine umstrittene Razzia mit vielen Todesopfern die in der nahen Müllhalde La Escombrera verscharrt wurden – eines der größten Massengräber der Welt und weiterhin als Müllhalde genutzt. Offiziell sollte die Comuna 13 von städtischen Milizen der FARC-Guerilla gesäubert werden, inoffiziell übernahmen die Paramilitärs die Kontrolle über die Drogenrouten – die Ruhe im Viertel steht also auf fragilen Beinen.

Nach der Razzia investierte die Regierung in Gemeindezentren und in die Sanierung der Backsteinbauten, am Rande des Viertels entstanden neue Wohnblocks, außerdem wurden die Escaleras Eléctricas (Rolltreppen) gebaut die sich über ca. 384m erstrecken und tiefer gelegene Viertel der Comuna 13 mit höher gelegenen verbinden.

Backsteinhäuser, aber auch improvisierte Baracken, viele Stiegen, dazwischen bunte Graffitis und die neuen Rolltreppen die den Alltag erleichtern prägen das Viertel heute. Mittendrin Jugendliche die mit Hip-Hop-Performances ihr Geld verdienen und unzählige Touristen die sich das bunte Viertel anschauen. Politische Graffitis sind nicht mehr erlaubt – die Geschichte und den Alltag der Comuna rund um Bandenkriege, Vertreibung und Gewalt welcher früher bestimmendes Thema der Graffitis war findet man heute nicht mehr.

Die Walking Tour mit den Infos rund um die Comuna 13 war sehr interessant, wir spazieren im Anschluss noch ein Stück entlang des Boulevards bevor wir die Rolltreppe hinunter nehmen. Den Nachmittag verbringen wir an Bord der Metrocable – der lokalen Seilbahn, mit der wir über sämtliche Teile der Stadt fahren und bis zum Abend beschäftigt sind, dann geht es noch in den Taproom einer lokalen Brauerei wo wir den Abend ausklingen lassen.

Weiter geht es mit dem Bus ins nahegelegene Guatapé, einer kleinen bunten Stadt an einem Stausee gelegen. Der See wurde für den Bau eines Wasserkraftwerkes aufgestaut und ist ein beliebter Ort für sämtliche Wassersportaktivitäten, passend dazu gibt es eine riesen Auswahl an Resorts am See für die einheimischen Touristen.
Außerdem ist die Gegend für El Peñol, einem riesigen Felsen am Ufer des Sees bekannt. 200m ragt der Granitblock an dessen Seite sich eine Treppe hinauf windet aus der Landschaft und soll eine schöne Aussicht bieten – wir lassen den Aufstieg aber aus, wer zahlt denn schon, damit er in Kolonne unzählige Stiegen hinauf stapfen darf…

Die Stadt selbst besticht durch ihre farbenfrohen Häuser mit den “Zocalos” bunte Reliefs im unteren Bereich der Außenmauern auf sämtlichen Häusern der Stadt – manche einfach nur dekorativ während andere Aufschluss über das im Haus befindliche Unternehmen geben. Groß ist die Stadt ja nicht, trotzdem scheint es Bedarf an Taxis gegeben – so fahren durch die bunten Gassen auch noch farbenfrohe Motortaxis die die faulen Besucher von A nach B transportieren.


