Ein wichtiger Fotospot fehlt noch auf unserer Reiseroute: Fujisan – der symmetrische inaktive Vulkan, ein Heiligtum Japans.
Mit dem fast leeren Zug geht es von West nach Ost und bereits vom Zug aus können wir immer wieder Blicke auf den Fujisan erhaschen. Das letzte Wegstück legen wir mit dem Bus zurück. In Fujiyoshida hat man eigentlich von überall immer einen guten Blick auf den Vulkan, wir schnappen uns Onigiri und Bier im Supermarkt und spazieren gleich einen kleinen Hügel hinauf zu einer Pagode – der Spot von wo aus der Fujisan wohl am öftesten Fotografiert wird, so viel los ist dafür aber gar nicht. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen abseits dem Aussichtspunkt und genießen von dort in aller Ruhe die Aussicht auf den Fujisan – das obligatorische Pagodenfoto machen wir aber natürlich auch noch bevor wir uns im Supermarkt unser Sushi-Abendessen holen.
Den nächsten Tag spazieren wir entlang der Uferpromenade am Kawaguchi-See bis zum Oishi-Park. Hier gibt es allerhand Blumenbeete als Vordergrund für die Fuji-Fotos. Hier ist dann gleich mehr los, es ist ja auch kein “anstengender Aufstieg” nötig sondern nur ein paar Schritte vom Busparkplatz zum Fotospot. Gemütlich sitzen und Aussicht genießen geht nicht, da wird man gleich als Fotograf für ein japanisches Pärchen eingespannt – und bis die Fotos den Ansprüchen entsprechen kann es dauern. Zurück in Fujiyoshida spazieren wir wieder zu unserem abgeschiedenen Aussichtsbankerl vom Vortag: Bier, Onigiri und ein wunderbarer Blick auf den Fujisan – was will man mehr.
Diesmal geht es mit den lokalen Zügen weiter. Wir steigen 3 mal um, und fahren dabei mit dem Bummelzug durch die wunderschöne hügelige Landschaft. Kanazawa ist sehr gemütlich und ziemlich ausgestorben (vor allem im vergleich zu Kyoto). Bekannt ist Kanazawa vor allem für den Kenroku-en, einer der drei berühmtesten Gärten Japans. Wir spazieren durch das Samurai-Viertel zum Garten, flanieren vorbei an der Kotoji-Laterne und einigen anderen (weniger bekannten) Steinlaternen. Weiter geht es vorbei an der örtlichen Burg ins Altstadtviertel in dem die traditionellen japanischen Häuser das Straßenbild prägen.
Nicht weit entfernt liegt Takayama, wo wir mit einem Spaziergang am Rande der Stadt starten. Es geht durch einen kleinen Wald, der auch von Bären frequentiert wird – zumindest lässt sich dies aus den Hinweisschildern und der regelmäßigen Anordnung von Glocken, die man schlagen soll um sie zu vertreiben, schließen (gesehen haben wir keinen). Nach dem Waldspaziergang kommen wir zu verlassenen Tempeln und Schreinen (hier fehlen teilweise sogar die Boxen zum Geldeinwerfen), bevor wir uns in der Altstadt mit einer Portion Ramen stärken und uns dann dem Sake zuwenden. Man kauft sich ein Sakeglas und kann sich dann quer durch den Kühlschrank kosten – 11 verschiedene Sake warten darauf verkostet zu werden. Zeitgleich mit uns trudelt auch eine kleine bunt gemischte Reisegruppe bei der Sake-Brauerei ein – wir kommen ins Gespräch und für das regelmäßige auffüllen unserer Sake-Gläser ist gesorgt – ein langer Abend.
Eine Burg steht noch auf unserer Reiseroute: Matsumoto – das Gegenstück zur weißen Burg von Himeji – Matsumoto ist dunkel gehalten und es gibt hier sogar eine kleine Ausstellung antiker Waffen in der Burg. Außerdem ist diese Burg tatsächlich “Altbestand”, eines der wenigen Gebäude, welches nicht unzähligen Feuern zum Opfer gefallen ist.
Wege optimieren geht in Japan einfach: Zugverbindungen sind online übersichtlich zu finden, sind sehr pünktlich, fahren regelmäßig und es gibt auf den Bahnhöfen immer Schließfächer in unterschiedlichen Größen. Wir nutzen die Möglichkeit und fahren von Osaka nach Nara: In Nara gibt es Tempel und Schreine und dazwischen leben Rehe die hier als heilig gelten. Vor den vielen Reh-Cracker-Standln stellen sich Touristen und Rehe gleichermaßen an – so hat Reh die besten Chancen gleich als Abnehmer für die frisch erworbenen Cracker ausgewählt zu werden.
Wir schnappen uns wieder unsere Rucksäcke und weiter geht’s nach Kyoto. Im Hostel gibt es hier Hot-Dogs zum Frühstück, am Abend versorgen wir uns wie immer mit abgepreistem Supermarkt-Sushi. Kulturelle Orte ohne Ende, eine sehr schönes – etwas überlaufenes – altes Zentrum, Kyoto wurde aus gutem Grund bei der Wahl der Atombombenabwurforte ausgeschlossen. Ein Tag intensives Tempel und Schrein Programm inkl. spazieren entlang des Philosophenweges. Auch die anderen Tage bleibt genug zu Erkunden, wir starten in der Früh zum Fushimi Inari Schrein zu den Senbon Torii, was soviel heißt wie “tausend Tore” – und ebensoviele Touristen. Der Vorteil: es geht einen Berg hinauf – man braucht ja Platz um die vielen von Gläubigen bezahlten Torii aufzustellen – und das ist dann doch zu viel Anstrengung für den Durchschnittstouristen. Ebenfalls begehrt ist der goldene Pavillion. Ein Tempel umhüllt von Blattgold, nach einem schnellen Foto im vorbeigehen stellen sich die meisten aber schon bei den Läden um Essen oder Souvenirs zu erstehen an. Abends sammeln sich die Touristen mit ihren (Handy-)Kameras und geben die besten Paparazzi ab beim Versuch Schnappschüsse der Geishas und Meikas im Restaurantviertel zu ergattern – die meisten fahren deshalb verständlicherweise mit dem Taxi.
Weil das Bahnnetz abseits vom Shinkansen für unsere Tagesplanung nicht wirklich überzeugend ist gibt es für uns noch eine Shinkansenfahrt: Osaka – Himeji. Wir sind wieder mit dem Super-Express-Zug unterwegs und sind nach knapp einer Stunde am Ziel. Wir sperren unsere Rucksäcke in ein Schließfach am Bahnhof und machen uns auf zur Burg Himeji. Schon wenn man den Bahnhof verlässt sieht man die Burg am Ende der Straße – ein Stadtplan ist hier hinfällig.
Die Burg Himeji ist die einzige die tatsächlich noch “alt” ist – die meisten anderen Burgen wurden nach altem Vorbild nach dem Krieg wieder aufgebaut. Wir erkunden das Gelände der Burg, spazieren durch die Schlafgemächer früherer Bewohner und zum Abschluss geht es in die Burg selbst über steile Treppen hinauf, und wieder hinunter – der Rückweg ist für den ein oder anderen eine sehr große Herausforderung. Wir hätten ja erwartet, dass in der Burg das ein oder andere Ausstellungsstück zu besichtigen ist – allerdings war die bis auf ein Bild einer Rüstung und zwei Speere komplett leer (da haben sich manche umsonst durchgequält).
Von Himeji geht es am Nachmittag gleich weiter nach Osaka. Auch hier gibt es eine Burg, die wir diesmal ausschließlich von außen bewundern. Wir spazieren an Shinto-Schreinen vorbei, durch Shoppingarkaden, begutachten den Pokemon-Store, ein Geschäft das einzelne Sammelkarten von Pokemon-Decks zum Preis von Gebrauchtwagen verkauft, wundern uns über die vorliebe zu ausgestelltem Plastikessen die hier noch mit überdimensionalen Hausverzierungen ergänzt wird und genießen die Aussicht vom Umeda-Sky-Buildung auf die Stadt. Es gibt eine Autobahn die durch den 4. und 5. Stock eines Hochhauses durchgeht, Dachgärten mit Gemüsebeeten, eine überdachte Parkfläche über den Gleisen des Bahnhofes und eine riesige Auswahl an Chinesischen Stäbchen.
Zum Abschluss geht es für uns in die Super-Nintendo-World. Eine Kulisse direkt aus der Kindheit. Ausgestattet mit Mario und Luigi Kappen spazieren wir durch die Welt von Supermario, und stellen uns gleich zweimal für Mario-Kart im Hochschaubahnwagen mit VR-Brille an. Außerdem schauen wir in der Welt von Spiderman und den Minions vorbei und durch Hogsmead bis nach Hogwarts. Die 4D Erlebnisse sind allesamt richtig gut gemacht – ein wirklich lustiger Tag.
Nachdem uns der Shinkansen ruck-zuck nach Hiroshima gebracht hat nutzen wir den Nachmittag gleich für einen Spaziergang durch den Friedenspark mit dem Wahrzeichen von Hiroshima: der Atombombenkuppel.
Das “Gebäude” mit der Kuppel liegt in unmittelbarer Nähe zur Detonation der Atombombe, blieb aber relativ “unversehrt” – es ist noch als Gebäude mit Kuppel erkennbar. Es wurde erhalten und erinnert jetzt als Mahnmal an den Abwurf der ersten Atombombe. Im Park befinden sich noch einige andere Monumente und Statuen, sowie das Peace Memorial Museum, das wir uns am nächsten Vormittag anschauen. Drei Stunden verbringen wir im Museum, das sich den Auswirkungen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und der Atombombe selbst widmet. Nach so viel Berichterstattung über die Leidensgeschichten einiger Betroffenen ist die Sonne im Park sehr willkommen. Einen Tag nutzen wir für die Besichtigung der Burg Hiroshima und dem Shukkeien Garten, einem kleinen japanischen Park mit Teich, Brücken und vielen blühenden Sträuchern, ein gemütlicher Spaziergang. Wir spazieren durch die Stadt, genießen lokales Craftbier und gönnen uns zum Abendessen die lokale Spezialität: Okonomiyaki – zubereitet direkt vor unseren Augen auf der heißen Eisenplatte. In Hiroshima gibt es einige Okonomyaki Restaurants – und sogar ein Haus in dem drei Stockwerke von vielen kleinen Okonomyaki-Lokalen belegt sind, hier haben wir uns eins ausgesucht. Das Gericht besteht aus mehreren Schichten: Die Basis bildet eine Art Palatschinke, dann eine Schicht Kohl und dünn geschnittenes Schweinefleisch als nächstes kommt eine Lage Nudeln und dann gibt es noch eine Lage Omlette. Das ganze bleibt auf der heißen Platte und man sticht sich dann Stück für Stück kleine Teile auf den Teller und ergänzt mit Okonomyaki-Sauce – uns hat es sehr gut geschmeckt.
Mit der Straßenbahn und der Fähre geht es für einen Tagesausflug nach Itsukushima (auch Miyajima genannt). Die Insel ist bekannt für das (bei Flut) im Wasser stehende Torii zum Itsukushima-Schrein – der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Pilger durften sich der Insel früher nur per Boot nähern, der Shinto-Schrein mit seinem Torii war der reinigende Hafen bevor die heilige Insel betreten wurde (auch Geburten und Todesfälle waren auf der Insel verboten, spontan Sterben ist also keine Option) Nachdem wir die Fähre verlassen haben stehen wir bald zwischen einigen Rehen, die eine Vorliebe für die Sackerl der Touristen entwickelt haben. Ein Stückchen weiter können wir dann auch schon das große rote “schwimmende” Torii sehen. Weiter geht es für uns auf den (heiligen) Berg Misen, oben gibt es schöne Aussicht und Toast mit mitgebrachtem Dosenfisch als Mittagessen. Am Weg hinunter kommen wir noch an Tempeln vorbei bevor wir wieder am Torii ankommen, diesmal bei Ebbe und entsprechend umringt von Touristen – es ist ja einer der drei Top Fotospots in Japan. Ein lokales Bier hat die Insel auch, also gibt es die hier lokalen Austern und Bier zur Stärkung bevor wir die heilige Insel wieder verlassen.
Wir sind in Fukuoka auf der Insel Kyushu in Japan angekommen. Fukuoka ist kulinarisch für Ramen bekannt – also haben wir uns gleich am ersten Tag einen solchen gegönnt – die Brühe wurde hier ganz schick im Syphon zubereitet. Nach der ersten Stärkung ging es dann auch gleich zum ältesten Shintō-Schrein der Stadt, dem Kushida Schrein. Hier können wir gleich einen Shinto-Priester beobachten der eine individuell bestellte Zeremonie abhält. Aber auch neben der Zeremonie kommen viele Gläubige zum Gebet. Das funktioniert hier mit Verbeugen und in die Hände klatschen. Als wir den Schrein verlassen läuft gleich eine Maiko (eine Geisha in Ausbildung) an uns vorbei, und wir steuern die nächste kulturelle Sehenswürdigkeit an, einen buddistischen Tempel. Abendessen holen wir uns im Supermarkt in der Convenience-Food-Abteilung: abendlich abgepreistes Sushi und dazu ein Bier.
Den nächsten Tag nutzen wir für die Besichtigung des hiesigen Shoppingcenters Canal City mit seinem zur Musik tanzenden Brunnen und der alten Festung – viel ist nicht mehr übrig, aber dafür gibt es viele Schilder die darauf hinweisen was hier mal gestanden ist. Von der Festung kann man noch die letzten Reste der Kirschblüte im Park beobachten und entsprechend auch die Besucher bei ihren Foto-Sessions mit den fast abgeblühten Bäumen beobachten. Weiter geht es zum Ohori-Park wo wir gemütlich den Teich entlang spazieren – die meisten anderen sind in Schwanen-Tretbooten unterwegs.
Was in Japan auffällt, es sind wieder mehr Kinder und kaum mehr Hundekinderwägen unterwegs – die wenigen Hunde die es gibt dürfen selber laufen.
Für die Weiterreise haben wir uns für den Nozomi Shinkhansen entschieden – der Nozomi ist Japans schnellster Hochgeschwindigkeitszug und das Attribut Super-Express-Zug ist bei jeder Ankündigung am Bahnsteig mit dabei. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde und die Gegend zieht nur so an einem vorbei, typisch für Shinkhansen-Fahrten ist eine Bento-Box – also haben wir uns eine solche natürlich vor Abfahrt noch erstanden für das komplette Erlebnis.
Unsere letzte Stadt in Südkorea ist Busan. Eine Hafenstadt in der wir ein paar gemütliche Tage verbringen. Wir starten die Erkundung mit dem Stadtteil Gamcheon, einer ehemaligen Flüchtlingssiedlung die durch ein Kunstprojekt inzwischen sehr bunt ist. Viele bunte Häuser mit verwinkelten Gassen entlang eines Berghanges, dazwischen Kunstprojekte mit endlosen Schlangen wartender Touristen die sich alle für das gleiche Foto anstellen. Was es in Korea neben Warteschlangen auch überall gab: Stempel und dazugehörige Stempelpässe. In der Gamcheon Culture Village war der Stadtplan mit dem Stempelpass verbunden, also haben wir diesmal auch brav alle Stempel gesammelt.
Wie immer haben wir natürlich auch die Aussicht vom Fernsehturm genossen – auch hier mit Rätselralley und einem Schnapsglas als Belohnung. Wir haben einen windigen Küstenspaziergang entlang des Igidae-Parks gemacht, sind durch den großen lokalen Lebendfischmarkt und seinen überfluteten Boden gewartet und haben den Ausblick vom Strand aufs Meer und den Touristen-Booten mit eigenem Mini-Feuerwerk genossen. Außerdem steht in Busan das Shinsegae – das weltweit größte Shoppingcenter – durch das wir spaziert sind. Zum Abschluss haben wir uns noch einmal Korean-BBQ als Abendessen gegönnt.
Für die Weiterreise nach Japan haben wir uns für die Fährverbindung über Nacht entschieden – alternativ wäre es auch in knapp über 3 Stunden mit dem Tragflügelboot gegangen. Wir hatten eine kleine Kabine mit Stockbett und einem Tisch vorm Fenster mit bester Aussicht auf den Hafen. Wir hatten eher stürmisches Wetter und somit entsprechenden Wellengang der uns in den Schlaf geschaukelt hat.
Mit dem Zug fahren wir nach Andong, eine kleine Stadt die außer der örtlichen Brauerei, die in einem traditionellen Gebäude ihr Bier ausschenkt nicht viel zu bieten hat. Nicht weit von hier liegt unser eigentliches Ziel: Hahoe, ein historisches Dorf der Joseon-Dynastie. Die Häuser sind traditionell mit Stroh gedeckt, die Kirschbäume beginnen gerade zu blühen. Die Stimmung eines Dorfes wie früher wird nur von den PKW, die zwischen den traditionellen Häusern und Gärten parken und den Plastik-Planen gedeckten Hauserweiterungen gestört.
Der nächste Stop ist in Gyeongju – auch als Museum ohne Dach bezeichnet. Früher lag hier die Hautpstadt des Königreichs Silla, heute fallen sofort die “Tumuli” (Grabhügel) auf welche die Stadt säumen. Dazwischen gibt es Tempel, den Wolji-Teich mit Palastgebäuden, Gartenanlagen und einige andere historische Gebäude zu erkunden – wir beschränken uns auf das Zentrum der Stadt das gerade in blühenden Kirschbäumen untergeht und eine kleine Wanderung auf den Namsan bevor wir dann zum nahegelegenen Golgulsa-Tempel reisen.
Im Tempel angekommen bekommen wir unser Tempel-Outfit: eine Weste und eine weite Hose. Nach einer kurzen Einführung über die Etikette im Tempel geht das Programm auch schon mit dem Sunmudo-Training los. Sunmudo ist eine koreanische Tempelkampfkunst, die Zen-Meditation, Yoga, Tai Chi und Qi-Gong mit traditionellen koreanischen Kampfkünsten verbindet. Nach der ersten Trainingseinheit in Sunmudo wird meditiert und dann geht es weiter mit 108 Verbeugungen. Vegetarisches Abendessen gibt es um 18:00 und spätestens um 21:00 ist Bettruhe – der nächste Tag beginnt um 5:00 mit dem Weckruf der Mönche und um halb 6 sitzen wir schon selbst in der Buddha-Halle und murmeln das monotone Morgengebet, dann wird meditiert. Nach der morgendlichen Meditation geht es zum Frühstück und dann zum Sunmudo-Training mit Meditation. Dann leisten wir einem Mönch beim Morgengebet Gesellschaft bevor wir mit einem anderen Mönch Teetrinken. Weiter geht es mit dem Mittagessen, Meditation um dann wieder wie schon am ersten Tag beim Sunmudotraining zu schwitzen, anschließend zu meditieren und unseren Muskelkater bei weiteren 108 Verbeugungen zu pflegen. Falls das Programm jemand nachmachen will hier noch einmal übersichtlich:
Drei Nächte haben wir auf dünnen Matten in geschlechtergetrennten Räumlichkeiten die meditative Ruhe genossen und die Basics in Sunmudo trainiert bevor es wieder zurück in die Zivilisation und weiter zu unserem letzten Ziel in Südkorea geht.
Wir landen in Südkorea – hier gibt es am Flughafen beheizte Klobrillen – und fahren mit der U-Bahn nach Seoul. Wir wählen ein Lokal bei dem die Gäste eigentlich ihre Bestellung selbst aufschreiben: das abmalen der Zeichen ersparen sie uns aber und etwas Englisch spricht die Kellnerin zum Glück auch, denn die Anordnung der Zeichen im Menü-Design (untereinander) ist nicht Übersetzungsapp-freundlich. Wir bekommen Nudelsuppe, dazu Gemüse-Spieße, gebackene Hühnerfilets und dazu Koreanisches Bier – ein leckeres erstes Abendessen. Gleich nebenan ist noch eine kleine Craft-Bier-Bar die wir natürlich noch besuchen und dann geht’s auch ins Bett, natürlich nicht ohne noch nach in Korea besonders populären E-Sport im Fernsehen zu suchen.
Der erste volle Tag in Seoul: Minusgrade und Regen – also bestes Museumswetter. Zum Glück hat Seoul ein sehr interessantes War-Memorial-Museum in dem wir uns über die Kriegsgeschichte in Korea informieren. Tag zwei ist fast noch kälter, also halten wir den Radius gering – nach so viel Sommer ist es für uns einfach viel zu kalt und wir müssen uns ohnedies mal etwas mit unserer Reiseroute beschäftigen. Am dritten Tag gibt es endlich wieder Sonne, und damit auch angenehmere Temperaturen und wir starten die Erkundungen mit einem ausgedehnten Stadtspaziergang, den wir am Seoul Tower mit Aussicht auf den Sonnenuntergang ausklingen lassen. Wir besuchen den Gyeongbokgung – “Palast der strahlenden Glücksseligkeit”, den ersten und größten Palast welcher in Korea von der Joseon-Dynastie errichtet wurde. Gleich ums Eck wird die regionale Tracht verliehen, das nutzen viele um sich im Palast in Tracht zu fotografieren und es sind nahezu mehr “verkleidete” Touristen im Palast als solche in normaler Streetware. Das gleiche Phänomen gibt es auch in der Bukchon Hanok Village, einem Stadtteil in dem die traditionelle Bebauung Koreas erhalten wurde und man in den engen Gassen zwischen den niedrigen Hanoks in das typische Korea vor 600 Jahren eintauchen kann. Auch den Jongmyo Schrein schauen wir uns an. Zwei Hallen ausschließlich zur Aufbewahrung von Gedenktafeln vergangener Könige und Königinnen für die immer noch jährlich Gedenkrituale veranstaltet werden, obwohl Südkorea schon lange eine Republik ist – darum gilt der Schrein und seine Ahnenverehrung als Weltkulturerbe. Außerdem fahren wir nach Suwon wo wir entlang der Mauer der Hwaseong Festung spazieren, die bis auf ein kleines Teilstück fast vollständig erhalten bzw. wiederaufgebaut wurde (gilt auch als Weltkulturerbe).
Was natürlich auch nicht fehlen darf ist ein Besuch in Gangnam. Wir flanieren entlang der K-Pop-Avenue wo sich die Geschäfte der Designerlabel aneinander reihen und die lokalen K-Pop stars geehrt werden und besichtigen den hiesigen Tempel, der gleich gegenüber einem großen Einkaufszentrum liegt. Am Gangnam Square gibt es Psy und seinem Song Gangnam Style zu Ehren natürlich auch ein Foto und zum Abendessen gibt es für uns heute endlich Korean BBQ – und zwar mit lokaler Unterstützung: wir treffen einen alten Freund von Alex aus Studienzeiten, der mit uns das hier so beliebte Gericht essen geht. Ein Tischgrill auf dem das Schweinefleisch für uns von den Kellnern gegrillt wird davor gibt es eine Suppe, dazu Gemüse und Dips und zum Abschluss Kimchi-Stew. Ein sehr netter Abend, und endlich einmal die Chance sich gemütlich auf Englisch mit einem Einheimischen zu unterhalten.
Ein Tagesausflug in den Norden zur DMZ gehört in Seoul natürlich auch dazu. Die DMZ (Demilitarisierte Zone) ist ein 4 km breiter Streifen entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea (2km auf jeder Seite). Innerhalb dieser Zone liegt die JSA (Joint Security Area, gemeinsame Sicherheitszone) mit den drei bekannten blauen Baracken durch die die Grenze zwischen Nord- und Südkorea verläuft. Die JSA selbst ist zur Zeit leider nicht offen, aber innerhalb eines Tunnels konnten wir uns bis auf 170m der Grenze annähern. Der Tunnel ist einer von vier entdeckten Tunnel, welche zu Angriffszwecken von Nordkorea nach Südkorea gegraben wurden. Die Tour hat uns zu einigen Aussichtspunkten gebracht wo man nach Nordkorea schauen konnte. Alle Aussichtspunkte sind bestens mit Ferngläsern ausgestattet mit denen wir die Nordkoreaner bei der Feldarbeit oder die Nordkoreanischen Wachposten beobachten konnten.
Die Straßen in Seoul sind am Vormittag und Nachmittag relativ ruhig. Mittags füllen sich Cafes in Rekordgeschwindigkeit um dann den restlichen Nachmittag wieder leer auf Gäste zu warten. In Restaurants geht man hier ausschließlich zum Essen, sitzen bleiben wenn man nicht mehr isst gibt es nicht. In Bars wird oft Essen bestellt das dann nahezu unangetastet stehen bleibt. Google-Maps funktioniert hier aufgrund des andauernden Konflikts mit Nordkorea kaum, schon gar nicht wenn man einen Fußweg wissen will. Die U-Bahn fährt auch hier mit Musik ein und die Stadt ist gesäumt von Photo-Booth-Boxen. Hier gibt es Glätteisen, Make-Up und unzählige Haarreifen, Hüte oder sonstige Foto-Props für die perfekte Foto-Serie. Schießstände sind inmitten der noblen Restaurants und zieren ihre Auslagen mit Teddybären und Waffen. Seoul hat uns so gut gefallen, dass wir unseren Aufenthalt 2x verlängert haben, auch wenn wir dadurch jedesmal das Hotel wechseln mussten, bevor wir uns nach Süden aufs Land vorwagen.
Nach einer Woche Taipeh geht es gemütlich mit dem Zug in die alte Hauptstadt Tainan. Die ca. 300 km fährt auch der Hochgeschwindigkeitszug in knapp 2 Stunden – wir entschieden uns aber für die doppelte Zeit zum halben Preis und dafür etwas mehr Zeit zum Rasten und Planen. In Tainan gibt es Tempel – sehr viele Tempel – von denen wir am ersten Nachmittag gleich einige besichtigen bevor wir im Taproom der lokalen Brauerei einkehren. Hier gibt es Bier aus der Suppenschüssel – ein sehr lokales Biererlebnis. Auch am nächsten Tag stehen wieder Tempel auf dem Programm: im Tempel des Kriegsgottes wird gerade die Gottesstatue auf eine Trage gebunden und unter Begleitung von Knallkörpern aus dem Tempel getragen.
Die Tempel in Taiwan sind alle sehr gut frequentiert – und das weniger von Touristen, sondern tatsächlich vor allem von den Gläubigen. Die meisten Tempel dienen sowohl für Taoismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Manchmal sind auch zwei Tempel für unterschiedliche Glaubensrichtungen direkt nebeneinander. Die Gläubigen holen sich einige Räucherstäbchen von denen zwei gleich vorm Eingang in die Sandschale kommen, die anderen werden an die jeweiligen Götter im Tempel verteilt, man betet und verbeugt sich. Es gibt Götter für alle möglichen Angelegenheiten: Partnersuche, Krankheit, Kinderwunsch, Literatur, Prüfungserfolg, Krieg usw.
Typisch ist auch die Befragung des zum Thema passenden Gottes – für die Antworten gibt es die Jiaobei, 2 rote Steine in Halbmondform die man fallen lässt und die je nachdem wie sie landen Antworten geben. Außerdem helfen die Jiaobei auch bei der Auswahl des richtigen “Fortune-Sticks” einen Stab den man aus einem Köcher zieht mit einem Zeichen für das es dann eine zugehörige Beschreibung gibt. Spezielle Tempel bieten dann auch noch die Auswahl der richtigen Medikation für eine Erkrankung an: Man trägt dem Gott im Detail sein Leiden vor und zieht dann aus einem von 3 Köchern einen Rezeptstock – mit dem man dann die richtige Medikation erhält.
Im Tempel gibt es neben Räucherstäbchenqualm und vielen Göttern auf unterschiedliche Kammern verteilt auch Tische mit Opfergaben – Obst, Reis aber auch Kekse. Außerdem gibt es immer einen Ofen in dem das “Geistergeld” verbrannt wird – bedrucktes Reis- oder Bambuspapier – zur Besänftigung der Geister.
Was wir in Tainan auch erlebt haben: regen Flugverkehr von Kampfjets am Himmel – immer wieder wird es laut und wir richten die Blicke nach oben. Das Eindringen der Chinesen in den Taiwanesischen Luftraum wird mit verstärkter Präsenz am Himmel beantwortet.
Von Tainan geht es weiter in den Süden nach Kaohsiung – die zweitgrößte Stadt in Taiwan. Wir spazieren einmal um den Lotus-See mit einigen sehr aufwendigen Tempelbauten unter anderem den 7-Stöckigen Drachen- und Tigerpagoden und einer riesigen Statue des Kriegsgottes Xuan Wu. Am Nachmittag geht es zum Hafen mit Blick auf die Skyline. Die alten Warenhäuser beherbergen eine bunte Mischung an Geschäften, Cafes und Restaurants, dazwischen gibt es einiges an Kunst zu entdecken. Wir beobachten den Sonnenuntergang hinter einer Leuchtturmsammlung und schlendern noch etwas durch das belebte Hafenviertel bevor wir bei einem Teigtaschenstand unsere tägliche Dumpling-Ration zu Abend essen.
Der letzte Stopp unserer kompakten Taiwanrundreise ist Hualien an der Ostküste. Von dort geht es in den Taroko-Nationalpark. Ein Nationalpark der anderen Art: ein Highway geht mitten durch, und auf diesem fährt der Shuttlebus, der einen zu den unterschiedlichen Trails bringt. Wir fahren also mit dem Bus bis zu einer der letzten Stationen und spazieren von dort über Trails, teilweise auch entlang der Straße wieder retour. Sehr schöne Ausblicke und ein weniger nachvollziehbares Angebot an Wegnetz zum Verbinden der einzelnen Trails abseits der Hauptstraße, also nehmen auch wir zwischendurch den Shuttlebus. Schluchten, Hängebrücken, Tempelbauten und glasklares Wasser begleiten uns an diesem Tag – ein schöner Abschluss in Taiwan.