Wir landen in Südkorea – hier gibt es am Flughafen beheizte Klobrillen – und fahren mit der U-Bahn nach Seoul. Wir wählen ein Lokal bei dem die Gäste eigentlich ihre Bestellung selbst aufschreiben: das abmalen der Zeichen ersparen sie uns aber und etwas Englisch spricht die Kellnerin zum Glück auch, denn die Anordnung der Zeichen im Menü-Design (untereinander) ist nicht Übersetzungsapp-freundlich. Wir bekommen Nudelsuppe, dazu Gemüse-Spieße, gebackene Hühnerfilets und dazu Koreanisches Bier – ein leckeres erstes Abendessen. Gleich nebenan ist noch eine kleine Craft-Bier-Bar die wir natürlich noch besuchen und dann geht’s auch ins Bett, natürlich nicht ohne noch nach in Korea besonders populären E-Sport im Fernsehen zu suchen.

Der erste volle Tag in Seoul: Minusgrade und Regen – also bestes Museumswetter. Zum Glück hat Seoul ein sehr interessantes War-Memorial-Museum in dem wir uns über die Kriegsgeschichte in Korea informieren. Tag zwei ist fast noch kälter, also halten wir den Radius gering – nach so viel Sommer ist es für uns einfach viel zu kalt und wir müssen uns ohnedies mal etwas mit unserer Reiseroute beschäftigen. Am dritten Tag gibt es endlich wieder Sonne, und damit auch angenehmere Temperaturen und wir starten die Erkundungen mit einem ausgedehnten Stadtspaziergang, den wir am Seoul Tower mit Aussicht auf den Sonnenuntergang ausklingen lassen. Wir besuchen den Gyeongbokgung – “Palast der strahlenden Glücksseligkeit”, den ersten und größten Palast welcher in Korea von der Joseon-Dynastie errichtet wurde. Gleich ums Eck wird die regionale Tracht verliehen, das nutzen viele um sich im Palast in Tracht zu fotografieren und es sind nahezu mehr “verkleidete” Touristen im Palast als solche in normaler Streetware. Das gleiche Phänomen gibt es auch in der Bukchon Hanok Village, einem Stadtteil in dem die traditionelle Bebauung Koreas erhalten wurde und man in den engen Gassen zwischen den niedrigen Hanoks in das typische Korea vor 600 Jahren eintauchen kann. Auch den Jongmyo Schrein schauen wir uns an. Zwei Hallen ausschließlich zur Aufbewahrung von Gedenktafeln vergangener Könige und Königinnen für die immer noch jährlich Gedenkrituale veranstaltet werden, obwohl Südkorea schon lange eine Republik ist – darum gilt der Schrein und seine Ahnenverehrung als Weltkulturerbe. Außerdem fahren wir nach Suwon wo wir entlang der Mauer der Hwaseong Festung spazieren, die bis auf ein kleines Teilstück fast vollständig erhalten bzw. wiederaufgebaut wurde (gilt auch als Weltkulturerbe).



Was natürlich auch nicht fehlen darf ist ein Besuch in Gangnam. Wir flanieren entlang der K-Pop-Avenue wo sich die Geschäfte der Designerlabel aneinander reihen und die lokalen K-Pop stars geehrt werden und besichtigen den hiesigen Tempel, der gleich gegenüber einem großen Einkaufszentrum liegt. Am Gangnam Square gibt es Psy und seinem Song Gangnam Style zu Ehren natürlich auch ein Foto und zum Abendessen gibt es für uns heute endlich Korean BBQ – und zwar mit lokaler Unterstützung: wir treffen einen alten Freund von Alex aus Studienzeiten, der mit uns das hier so beliebte Gericht essen geht. Ein Tischgrill auf dem das Schweinefleisch für uns von den Kellnern gegrillt wird davor gibt es eine Suppe, dazu Gemüse und Dips und zum Abschluss Kimchi-Stew. Ein sehr netter Abend, und endlich einmal die Chance sich gemütlich auf Englisch mit einem Einheimischen zu unterhalten.

Ein Tagesausflug in den Norden zur DMZ gehört in Seoul natürlich auch dazu. Die DMZ (Demilitarisierte Zone) ist ein 4 km breiter Streifen entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea (2km auf jeder Seite). Innerhalb dieser Zone liegt die JSA (Joint Security Area, gemeinsame Sicherheitszone) mit den drei bekannten blauen Baracken durch die die Grenze zwischen Nord- und Südkorea verläuft. Die JSA selbst ist zur Zeit leider nicht offen, aber innerhalb eines Tunnels konnten wir uns bis auf 170m der Grenze annähern. Der Tunnel ist einer von vier entdeckten Tunnel, welche zu Angriffszwecken von Nordkorea nach Südkorea gegraben wurden. Die Tour hat uns zu einigen Aussichtspunkten gebracht wo man nach Nordkorea schauen konnte. Alle Aussichtspunkte sind bestens mit Ferngläsern ausgestattet mit denen wir die Nordkoreaner bei der Feldarbeit oder die Nordkoreanischen Wachposten beobachten konnten.


Die Straßen in Seoul sind am Vormittag und Nachmittag relativ ruhig. Mittags füllen sich Cafes in Rekordgeschwindigkeit um dann den restlichen Nachmittag wieder leer auf Gäste zu warten. In Restaurants geht man hier ausschließlich zum Essen, sitzen bleiben wenn man nicht mehr isst gibt es nicht. In Bars wird oft Essen bestellt das dann nahezu unangetastet stehen bleibt. Google-Maps funktioniert hier aufgrund des andauernden Konflikts mit Nordkorea kaum, schon gar nicht wenn man einen Fußweg wissen will. Die U-Bahn fährt auch hier mit Musik ein und die Stadt ist gesäumt von Photo-Booth-Boxen. Hier gibt es Glätteisen, Make-Up und unzählige Haarreifen, Hüte oder sonstige Foto-Props für die perfekte Foto-Serie. Schießstände sind inmitten der noblen Restaurants und zieren ihre Auslagen mit Teddybären und Waffen. Seoul hat uns so gut gefallen, dass wir unseren Aufenthalt 2x verlängert haben, auch wenn wir dadurch jedesmal das Hotel wechseln mussten, bevor wir uns nach Süden aufs Land vorwagen.


