Cát Bà und Hà Nội

Der Nachtbus von Sa Pa nach Cát Bà ist diesmal auf der luxuriösen Seite: Die Liegefläche kann in alle möglichen Positionen gebracht werden, sogar Vibrationen kann man einstellen, es gibt Vorhänge zur Abgrenzung der Kabinen und jeder hat seinen eigenen Bildschirm – der war aber eher zur Deko. Der Reisende kann also auf der Strecke Sa Pa – Hà Nội sehr gut schlafen, dann wird mal allerdings rausgeschmissen und muss 2 Stunden im Morgengrauen auf den nächsten Bus warten.

Sobald das erste Cafe in der Nähe beginnt zu öffnen ordern wir schon einen Kaffee (nach so einem abrupten Reiseende im Nachtbus ist vor allem auch ein WC sehr gefragt) und dann geht es auch schon zum nächsten Bus um die Reise auf die Insel Cát Bà fortzusetzen: Bus, kurzes Intermezzo auf der Fähre und wieder Bus bis zum Quartier.

In Cát Bà angekommen spazieren wir durch die Stadt und finden gleich einen Bánh mì Stand wo wir Zuschlagen zum späten Frühstück. Groß ist der Ort hier nicht, wir landen also gleich mal abseits der Touristenpfade wo uns die einheimischen Kinder begeistert Winken und die Hände schütteln. Zurück im Hotel holen wir uns Tipps von unserem Host und schwärmen zum Abendessen aus. Das Lokal, dass wir von den Vorschlägen auserwählt hatten, disqualifiziert sich gleich selbst: Laute Karaoke Musik – im üblichen Katzengejammer-Stil – drin sitzt (und singt) zwar nur der Chef persönlich, aber der weiß wie man sich einen arbeitsfreien Abend schafft. Wir pilgern also weiter zum nächsten Lokal: die Preise unschlagbar günstig. Es gibt Phở für Theresia und Alex bekommt wieder sein geliebtes Pad Thai.

Für den nächsten Tag haben wir Pläne in den Nationalpark zu Radeln, einen Aussichtspunkt zu erklimmen und etwas zu Wandern. Nach einem dampfenden Phở bzw. Bánh mì zum Frühstück und einem Blick aus dem kleinen (aber vorhandenen) Fenster schaut es aber sehr grau und regnerisch aus – kalt ist es auch, also sitzen wir den Regen im Hotel aus. Ein bisschen Information und Planung für unsere zukünftigen Destinationen ist ohnedies fällig. Im Trockenen begeben wir uns dann am Nachmittag auf eine Strandwanderung: Die Strände haben wir für uns und wir können die ersten traumhaften Blicke auf die Lan Ha Bucht genießen. Wir buchen eine Bootstour für den nächsten Tag: der Wetterbericht stimmt positiv.

Wir haben Glück: endlich blauer Himmel. Der Minibus bringt uns zum Hafen, wo wir ins Boot umsteigen. Wir shippern den ganzen Tag durch die Lan Ha Bucht, und die Ha Long Bucht, ein UNESCO Welterbe. Zwischendurch geht es mit dem Kayak durch Höhlen. Wir beobachten Adler, die hiesigen Affen lassen sich nicht blicken. Am Nachmittag springen wir tatsächlich vom Boot ins Südchinesische Meer (und das obwohl unsere Daunenjacke die letzten Tage im Einsatz war) und genießen bei Sonne die schöne Meereslandschaft mit ihren von Regenwald bedeckten Karstfelsen.

Am letzten Abend bekommt das Restaurant des Karaoke-Singenden-Chefs noch einmal eine Chance. Kein Karaoke, dafür sehr leckeres Essen: wir essen Calamari und Fried Noodles bevor es am nächsten Tag nach Hà Nội geht – unserem letzten Stop in Vietnam.

Wir kommen am Nachmittag in Hà Nội an und gehen Abendessen – eine Challenge sich einen Weg zu bahnen zwischen den engen Gassen, verparkten Gehsteigen und überfüllten Straßen voller hupender Mopeds und Autos. Danach machen wir uns auf und suchen das berühmte Bia hơi – günstiges täglich frisch gebrautes Bier mit geringem Alkoholgehalt zu einem unschlagbar günstigen Preis von 10.000 Dong – ca. €0,40. Serviert wird es angeblich Rund um die Beer-Junction in Lokalen mit den klassischen bunten, niedrigen Plastikstühlen und Plastiktischen. Der Weg dahin geht durch die Beer-Street – rammel voll mit überteuerten Lokalen und uninformierten Touristen (oder welchen die einfach gerne wie Sardinen in der Dose ihr Abendessen und Bier genießen) – wir kämpfen uns durch und kommen etwas abseits der Touristenlokale schließlich zum ersehnten Bia Hoi.

Den ersten ganzen Tag in Hanoi nutzen wir für einen Stadtspaziergang, vorbei am Ho-Chi-Minh-Mausoleum wo wir die Wachablöse mit dem für Kommunisten typischen Scherenschritt beobachten (den Herrn Ho-Chi-Minh selbst haben wir nicht besichtigt, da haben wir das Zeitfenster verpasst), zum Literaturtempel und weiter in den Norden der Altstadt – von dort nehmen wir einen Bus zu einer lokalen Kleinbrauerei. Wir kosten uns durch die Karte und landen danach in einem richtig guten Bao-Bun Restaurant bevor wir wieder mit dem Bus zum Hotel fahren.

Den letzten Tag spazieren wir durch die Altstadt. Der Weg führt vorbei an der Trainstreet: Eine sehr schmale Straße mit aktiven Gleisen wo der Zug weniger als 1m vor den Häuserreihen vorbei fährt. Die Gleise werden – wenn nicht gerade der Zug kommt – als Parkplatz oder auch Aufenthaltsbereich für Kind und Kegel genutzt. Früher haben sich auch noch unzählige Touristen dazwischen getummelt, inzwischen ist es hier nicht mehr so belebt wie früher und für Touristen gesperrt (es waren wohl zu viele Besucher dabei die unbedingt ein Foto mit sich und dem Schnellzug auf den Gleisen haben wollten, Unfälle inklusive). Am Nachmittag buchen wir uns ein Ticket für eine Vorstellung im Wasserpuppentheater, eine typisch vietnamesische Theaterform mit Marionetten die von den Bauern in Zeiten der gefluteten Reisfelder etabliert wurde. In der Handlung wird das typische vietnamesische Leben von Reisernte, über Fischen, Bootsrennen und Drachen abgebildet, begleitet von vietnamesischen Instrumenten.

Nach dem kulturellen Intermezzo im Theater probieren wir endlich den typisch vietnamesischen “Egg-Coffee” – sehr lecker: Kaffee mit Eierlikör (oder so etwas ähnlichem) und lassen den Abend bei einer letzten Runde Bia Hơi ausklingen.

Nachdem wir nun ein Monat in Vietnam verbracht haben, wird es Zeit die Rucksäcke wieder einmal zu packen und uns auf den Weg weiter nach Süden, bis fast an den Äquator aufzumachen. Bis jetzt haben wir die für Europäer relativ niedrigen Preise genossen, unser nächstes Ziel heißt Singapur, wo wir wohl kein Bier um € 0,40 erhalten werden. Mal sehen…