Für die Fahrt mit dem Nachtzug haben wir ein 4er Abteil – in dem wir recht lang nur zu zweit sind. Der Zug fährt mit etwas Verspätung in Huế ein, bei einer “Nachtzug”-Verbindung die um halb 5 Nachmittag startet und um halb 4 in der Früh ankommen soll stört das aber wenig. Bis wir in Ninh Bình einfahren ist die Zeit ohnedies schon aufgeholt – der Versuch entsprechend der Google-Maps Daten ein offenes Cafe zu finden scheitert, also lungern wir bis zur Dämmerung am Bahnhof herum, da wir noch eine Stunde Fußweg zu unserer Zieldestination haben. Ab ca. halb 6 waren wir nicht mehr alleine, denn es haben sich im Dunkeln zwei Morgensportgruppen eingefunden, die eine hat mit Musik eine Art Squaredance praktiziert – die andere eher Tai Chi. Ab 7:00 gibt es in unserer Zieldestination Tam Cốc ein offenes Cafe, also brechen wir um 6:00 auf. Nachdem wir die Stadt verlassen haben wird die Landschaft auch rasch schöner und wir spazieren Richtung der Karstfelsen, die für die so genannte Trockene Halong Bucht so typisch sind.
Im Cafe angekommen gibt es Cafe, Fruchtsaft und Kuchen und wir genießen die Ruhe und die nette Atmosphäre – die Tochter des Hauses bringt uns auch ihr Stoffschaf zum Tisch – bis wir schließlich das letzte Wegstück zum Quartier gehen, die Rucksäcke ablegen und gleich zwei Runden Bánh mì Frühstücken. Dann spazieren wir ins Zentrum rund um den See und gleich weiter zur Bích Động Pagode – nicht ohne dass wir, sobald wir auch nur in der Nähe einer Bootsanlegestelle waren, Bootstouren angeboten bekommen haben. Nach einem so frühen Start in den Tag genießen wir die Abkühlung im Pool und ein frühes Abendessen, das man hier sehr günstig bekommt.


Für den nächsten Tag nehmen wir uns wieder Leihfahrräder und fahren ins nächste Dorf nach Tràng An, einem UNESCO Naturdenkmal bestehend aus Karstbergen und Höhlen. Dort machen wir eine Bootstour durch seichtes Wasser und sehr niedrige Höhlen – als Ausrüstung gab es eine Schwimmweste, dabei wäre ein Helm notwendiger gewesen. Nachdem wir zum Glück trotzdem unfallfrei per Boot durch die Höhlen manövriert wurden – den Kopf zeitweise wirklich zwischen den Knien – radeln wir weiter zu einem Aussichtspunkt. Nach einem Aufstieg von ca. 500 Stufen – für den ein oder anderen Touristen hier der höchste Berg ihres Lebens – oben angekommen erwartet uns ein Steindrache und ein guter Blick auf die Landschaft. Wir nehmen auch gleich den zweiten Aussichtspunkt mit bevor wir durch die abgeernteten Reisfelder wieder nach Tam Cốc radeln. Am Weg treffen wir auf eine Herde Wasserbüffel die sich zügig durchs Reisfeld frisst – und kurz nach uns schon den schmalen Weg zwischen den gefluteten Reisfeldern sperrt.




Für den letzten Tag steht wieder ein Tempel am Programm, vor allem der Weg dorthin liegt in wunderschöner Umgebung in der sich Ziegen auf den Steilen Felsen das beste Grün suchen. Am Nachmittag geht es, weil es so guten Kaffee und Kuchen gab, wieder in das Kaffeehaus vom ersten Tag, wo wir noch die fehlenden Quartiere für die restliche Zeit in Vietnam buchen und mal wieder einen Blogbeitrag schreiben.
Mit dem Nachtbus geht es weiter in den Norden nach Sa Pa, am Weg dorthin sind wir schon nahezu an der Chinesischen Grenze. Um ca. 5 Uhr früh kommen wir in Sa Pa an und warten auf unseren Trekking Guide. Ein Mädel der schwarzen Hmong-Volksgruppe mit der wir durch die Reisterassen bis zu unserem Quartier nach Ta Van wandern. Die großen Rucksäcke werden mit dem Motorrad transportiert und wir starten die Wanderung nachdem wir einen dampfenden Pho zum Frühstück hatten. Die Gegend hier ist für die wunderschönen Blicke in die Täler mit ihren Reisterassen bekannt – wir brauchen hier etwas Vorstellungskraft denn wir sehen im Nebel nur wenige Meter. Sattes Grün der Reisterassen hätten wir ohnedies nicht, da der Reis bereits geerntet ist, aber uns ist nicht einmal die Sicht auf die abgeerntete Terassenlandschaft vergönnt. Bei Regen und Nebel wandern wir entlang der schmalen Ränder der Reisfelder hinunter ins Tal zu einem kleinen Dorf. Zum Aufwärmen gibt es Fried Rice. Unser Guide zeigt uns am Weg die Pflanze aus deren Blätter sie die blaue Farbe (Indigo) für ihre traditionelle Kleidung gewinnen und wie man aus getrocknetem Hanf einen Faden herstellt und daraus Stoff webt. Zwischendurch blitzen aus dem Nebel auch die Reisterassen hervor – von der umliegenden Berglandschaft bekommen wir aber nichts zu sehen. Im Quartier freuen wir uns dann auf eine warme Dusche und verkriechen uns unter der dicken Decke: hier ist es doch um einiges Kälter, und die Häuser nur undichte Holzverschläge – es wird also Zeit für die Daunenjacken. Im Gemeinschaftsraum gibt es gemeinsames Essen mit den anderen Gästen. Frühlingsrollen, Reis, Gemüse und dazu Pommes, als Abschluss wird dann noch der ein oder andere Krug “Happy Water” serviert – vermutlich Reiswein, jeder neue Krug hatte einen anderen Geschmack. Wir plaudern noch mit den anderen Backpackern und gehen alle mit der Hoffnung auf besseres Wetter am nächsten Tag schlafen.

Auch der nächste Tag startet verregnet und nebelig – also warten wir bis wenigstens der Regen weniger wird und spazieren am Nachmittag entlang des “Bamboo Treks”. Nach einiger Zeit beginnen uns (wie auch schon am Vortag) Einheimische zu folgen – zwei davon mit einem Korb voller Souvenirs am Rücken die sie gerne an den Touristen bringen wollen, die dritte Dame will gerne Guide spielen. Nachdem wir versucht haben sie durch ewiges herumstehen wieder los zu werden (hat nicht funktioniert) erklären wir ihnen, dass wir kein Geld dabei haben und nichts kaufen wollen: daraufhin bleibt wenigstens nur noch eine übrig die uns dann noch einige Zeit “begleitet” bevor auch sie einsieht, dass es bei uns nichts zu holen gibt. Den Abend verbringen wir wieder mit den anderen Gästen im Quartier. Am nächsten Tag geht es für uns dann wieder zu Fuß zurück nach Sa Pa, diesmal jedoch entlang der Straße wo es überraschenderweise sogar einen Gehsteig gibt. In Sa Pa gibt es dann sogar etwas Sicht und Sonne zu genießen bevor wir mit dem Nachtbus wieder an die Küste Fahren.


