Phonsavan

Nach vorläufig nur einer Nacht in Luang Prabang geht es mit dem übervollen Minivan (Stockerl bzw. Bierkisten im Gang ergeben auch einen guten Sitzplatz) nach Phonsavan. Die Fahrt auf den Bergstraßen war abenteuerlich, einige der Mitfahrer waren aber gut mit Plastiksackerl ausgestattet, welche auch von den beiden Burschen neben uns rege benutzt wurden. Zum Glück ist uns nicht auch noch schlecht geworden, da wir keine entsprechenden Sackerl parat gehabt hätten.

Die Provinz Xiangkhouang gilt als das meistbombardierte Gebiet der Welt, außerdem gibt es bis heute etliche Blindgänger welche kontinuierlich beseitigt werden. Neben Vietnam haben die USA auch Laos massiv bombardiert, in der westlichen Öffentlichkeit ist das aber wenig bekannt, deshalb wird auch vom “Secret War” der CIA gesprochen.

Neben den vielen Bomben befindet sich hier die Ebene der Steinkrüge, mehr als 2100 Megalith-Krüge aus Sandstein die bis zu 3 m groß sind und über die Hügel der Gegend verteilt aufzufinden sind. Seit 2019 ist die Ebene der Steinkrüge ein UNESCO-Weltkulturerbe. Viel ist über die Herkunft nicht bekannt, allerdings wird davon ausgegangen, dass diese Krüge für Bestattungsriten genutzt wurden. Einige stehen in größeren Gruppen beieinander, dann gibt es wieder nur kleinere Grüppchen. Laoten – oder zumindest unser Tourguide – verfolgen allerdings die Theorie, dass in den Krügen Whisky gelagert wurde und die Gruppen die einzelnen Party-Spots der hier ehemals ansässigen Riesen darstellen.

Nach einem Besuch im hießigen Tourismusbüro mit einer kleinen Ausstellung über die Gegend sowie einigen geborgenen Bomben, besichtigen wir die Ebenen der Steinkrüge – die einzigen 3 Areale die inzwischen vollständig als von Bomben geräumt gelten und somit für den Tourismus freigegeben sind. Die erste Ebene die wir besuchen ist die größte mit über 300 Gefäßen, scheinbar zufällig in der Gegend verteilt. Nach dem Mittagessen geht es quer durch die Reisfelder und über die Weiden zu der Ebene 3, eine Ansammlung von kleineren Steinkrügen bevor es zum Schluss noch zur Ebene 2 geht. Während wir zwischen den Steinkrügen umher spazieren hören wir auch zwei Detonationen. Die Teams der Bombenräumung (MAG – Mines adivsory Group) sind in der Gegend allgegenwärtig mit ihren weißen Geländewägen mit Totenkopf-Aufdruck.

Nach der vollkommenen Zerstörung der alten Bezirkshauptstadt im 2. Indochinakrieg wurde Phonsavan Mitte der 70er Jahre als neue Bezirkshauptstadt aufgebaut, der Anschluss an das Stromnetz erfolge jedoch erst 2004. Die Straße teilt man sich hier durch die Bank mit Kühen, sonst ist hier nicht viel los, und aufgrund der etwas aufwendigen Anreise sind auch kaum Touristen hier, dafür gibt es im Quartier ein Lagerfeuer in den beiden Hälften einer Streubombe und die Zimmerschlüssel haben Schlüsselanhänger aus MG-Patronenhülsen.