Von Kuala Lumpur wären wir eigentlich gerne mit dem Zug nach George Town gefahren – leider war der Zug aber bis auf 4 Behindertenplätze ausgebucht, da wir mal wieder Freitag als Reisetag gewählt hatten und da auch viele Einheimische nach George Town wollten. Zum Glück haben wir dann noch Sitzplätze im Bus ergattert und so ging die Reise mit dem Bus direkt nach George Town, da die Insel Penang mit einer Straßenbrücke mit dem Festland verbunden ist.
In George Town haben wir unser Quartier etwas außerhalb des denkmalgeschützten Zentrums bezogen. George Town besteht aus den typischen Shophouses aus der Kolonialzeit die wir schon aus Malakka kennen – meist 2-3 geschossig, mit europäischen und chinesischen Einflüssen. Außerdem gibt es aufwändige chinesische Clanhäuser, einige Moscheen, Kirchen, hinduistische und chinesisch-buddhistische Tempel und dazwischen sehr viel Street-Art.



Wir verbringen Weihnachten in George Town und sind am 24. wie es sich für Reisende gehört mit der Erkundung der Stadt beschäftigt. Gefrühstückt wird landestypisch Toast mit Kaya (Kokosmarmelade) und dann folgen wir unserem Stadtspaziergang quer durch die UNESCO-Weltkulturerbe Stadt in kurzen Hosen. Bei 31 Grad ist am frühen Nachmittag eine Erfrischung notwendig also gibt es Kokosnuss-Shake und dann kehren wir in einer Craft-Bier-Bar ein. Entsprechend unserer Bier-App soll es in der Bar auch eigenes Bier geben – als wir dort ankommen und nach lokalem Bier fragen gibt es aber nur das übliche Tiger Bier aus der Großbrauerei, dass uns der Kellner aber eh nicht wirklich verkaufen will. Wir nehmen also Bier aus China und Singapur plaudern noch etwas mit dem Kellner und bekommen dann ein Whiteboard mit 5 Handgeschriebenen Biersorten: eigenes Bier der Bar, nachdem Lizenzen zum Bierbrauen hier aber nahezu unmöglich zu bekommen sind ist das Bier also illegal – und daher nur für ein kleines, besonders sorgfältig auserwähltes Klientel im Angebot. Nach dem verkosten des illegalen Craft-Biers geht es für uns in eine kleine Bar wo wir Burger als Weihnachtsmenü essen.
Per Video besichtigen wir dann noch den Weihnachtsbaum aus Zell am See und die Weihnachtskekse in Wien – hören noch Stille Nacht Heilige Nacht und so geht der etwas andere Weihnachtsabend auch schon zu Ende.
Am Weihnachtstag wird die Stadt dann mit Fokus auf die Religionsstätten fortgesetzt: Diesmal wird uns auch wieder in der Moscheeeintritt gewährt. Die chinesisch-buddhistischen Tempel sind hier auch angenehmer zu besichtigen, da die Räucherstäbchen im Gebäude verboten sind und nur vor dem Tempel vor sich hinräuchern (der beißende Rauchgeruch hat uns schon aus dem ein oder anderen Tempel vertrieben bevor wir eine ganze Runde gehen konnten). Auch die Tempeltürme der hinduistischen Tempel erstrahlen hier in voller Pracht mit ihren detailreichen Figuren. Nur die christlichen Kirchen sind von außen eher unspektakulär und außerdem geschlossen.

Tag drei in George Town starten wir mit dem Fahrrad durch und radeln zum buddhistischen Tempel – so ganz klar ist der Fahrradweg hier nicht angezeichnet, meistens sind Radweg und Gehsteig hier aber ohnedies das selbe – also fahren wir wenn wir nicht gerade auf der Straße gegen die Einbahn radelnd am Gehsteig (oder wie sich dieser abgetrennte Multifunktionsstreifen hier bezeichnet). Mittagessen holen wir in Little India, das wir dann am Hafen verspeisen. Nachdem in der Innenstadt kaum Gehsteige, aber viel zu viel Autoverkehr ist stellen wir die Fahrräder wieder ab: zu Fuß ist man schneller. Wir schlendern dann zu einem Lokal in einer Seitengasse. Hier gibt es eine große Auswahl an Alkohol zum Einkaufen oder vor Ort trinken. Es ist viel los, hier stockt jeder seinen Alkoholvorrat auf: Kistenweise oder nur im kleinen aber dafür in schwarzen Plastiksackerln verpackt. Wenn man hier trinkt holt man sich aus dem Lager nebenan Plastikhocker und sucht sich einen Platz auf der Straße vorm Lokal. Wir sind nicht lange alleine, ein Herr rückt schritt für schritt immer näher zu uns bis er schließlich mit uns pladuert. Dann dauert es nicht mehr lange und wir sitzen in einer Runde Stammgäste, werden auf Bier eingeladen und schließlich zum Abendessen zu einem der Herren nach Hause.
Er holt uns ab, zeigt uns am Weg zu sich noch die halbe Insel und nach 1 Stunde Fahrzeit inkl. Sightseeing kommen wir bei ihm und seiner Frau zu Hause an. Es gibt Reis, Fishcurry, und noch 2 weitere speisen mit Huhn. Unsere Gastgeber gehören zu den ca. 7% der Bevölkerung indischer Abstammung und zu den 3,9% die Tamil sprechen. Entsprechend essen wir heute ohne Besteck: hier wird ausschließlich mit den Fingern der rechten Hand gegessen – geht auch. Im Anschluss gibt es noch Bier und Whiskey bevor wir wieder zurück ins Hotel gebracht werden – am nächsten Tag heißt es früh aufstehen, wir reisen weiter Richtung Norden.
