Eine weitere Nacht im Bus und wir sind in der Hauptstadt Argentiniens. Das Programm der nächsten Tage: gemütliche Stadtspaziergänge und Essen.
Den ersten Tag spazieren wir zum Hauptplatz und erkunden dann die Umgebung unseres Hostels. Für unseren ersten Abend in Buenos Aires finden wir ein nettes Steakrestaurant. Empanadas als Vorspeise, Steak mit Pommes, Salat und eine Flasche Malbec Wein aus Mendoza bekommen wir hier für umgerechnet ca. € 15 – ein günstiges und sehr gutes Abendessen.

Den nächsten Tag starten wir mit einer Walkingtour, knapp vier Stunden führt uns ein Einheimischer durch die Stadt und gibt uns Informationen und auch Einblicke in die aktuelle politische Situation – die Stichwahl der beiden Präsidentschaftskandidaten steht kurz bevor. Die Tour führt uns vom Teatro Colón (eines der besten Opernhäuser der Welt), durch das Botschaftsviertel mit seinen Palästen bis vor den Recolette Friedhof. In Buenos Aires ist gerade alles in lila Blüten getaucht – sehr hübsch, aber da quält dann auch der Heuschnupfen. Nach der Tour holen wir uns Empanadas zur Stärkung und gehen dann zur El Ateneo Grand Splendid – einer Buchhandlung in einem ehemaligen Theater. Auf dem Weg zur Brauerei übt Alex den Tango Grundschritt – die Schrittfolge ist im Gehsteig eingelassen und wird gleich von einer netten Dame angesprochen die uns fragt, wo wir her kommen und uns einen schönen Aufenthalt wünscht. Zum Abendessen gibt es heute Pizza, auch sehr typisch in Argentinien aufgrund des großen Anteils an italienischen Einwanderern und dazu probieren wir Fernet Cola, ein Kultgetränk in Argentinien.




Eine weitere Walkingtour startet beim Parlament und geht vorbei am Palacio Barollo – einem Bürohaus inspiriert von Dantes Werk “Die Göttliche Komödie”. Die Ausgestaltung der Innenarchitektur ist von unten nach oben in Hölle, Fegefeuer und Himmel gegliedert. Die Tour bringt uns bis zum Plaza de Mayo. Hier findet man auch die Catedral Metropolitana de Buenos Aires (bis 2013 die Wirkungsstätte des jetzigen Papstes) und das auffällige rosafarbene Rathaus, die Casa Rosada. Außerdem demonstrieren hier immer noch wöchentlich die Madres de Plaza de Mayo – eine Organisation argentinischer Frauen, deren Kinder unter der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983) verschwanden. Rund 30.000 Menschen wurden verschleppt, gefoltert, die meisten getötet, aus dem Flugzeug über dem Meer abgeworfen. Nur wenige Fälle sind bis heute aufgeklärt. Die Organisation gilt als eine der wichtigsten Menschenrechtsorganisationen Argentiniens.



Wie flanieren außerdem durch das Viertel San Telmo. Hier gibt es das hübsche Marktgebäude des Mercado San Telmo und viel gutes Essen – wir holen uns hier Empanadas und einmal auch ein Choripán – typisch argentinisches Streetfood: ein Sandwich mit einer halbierten Chorizo und Chimichurri. Am nahegelegenen Plaza Dorrego kann man dann während des Essens Tango Tänzer beobachten.


Ein Ausflug in eines der berühmtesten Viertel der Stadt nach La Boca darf natürlich auch nicht fehlen. Hier gibt es bunte Häuser und eines der berühmtesten Fußballstadien Südamerikas, das blau-gelbe La Bombonera. Außerdem ist Maradona allgegenwärtig. La Boca ist entsprechend extrem touristisch, die Kreuzfahrtschiffe legen am nahegelegenen Hafen an und spucken ihre Gäste nur so aus in die kleinen Gassen. Dort freuen sich die in schicke Tango-Outfits gehüllten geschäftstüchtigen Einheimischen und knöpfen den Touristen ihre Dollar für ein gemeinsames Foto ab. Ein Viertel das schon nett zu sehen ist, faszinierend zu beobachten sind die Touristenmassen die in überteuerten Restaurants ihr Geld lassen – wir sind dann schnell wieder weg und holen uns unser Essen in San Telmo, zu vernünftigen Preisen.



Außerdem spazieren wir auch ins Viertel Puerto Madero und flanieren entlang des Hafenbeckens über das sich auch die Puente de la Mujer (Frauenbrücke) des Architekten Santiago Calatrava spannt. Unser geplanter Spaziergang durch den dortigen Park (Reserva Ecólogica Costanera Sur) wird leider von der Präsidentenwahl behindert – sämtliches Sicherheitspersonal ist wohl anderswo im Einsatz und der Park daher geschlossen. Den Wahlabend verbringen wir dann in unserem Hostel und verfolgen die Berichterstattung mit den einheimischen Dauerbewohnern.

Zum Abschluss besichtigen wir noch den Recolette Friedhof – eine eigene kleine Stadt. Hier haben sich Reich und Schön ihr letztes imposantes Denkmal gesetzt, es reiht sich eine aufwändig gestaltete Grabstätte an die andere. Ein ziemlicher Platz- und Resourcenverbrauch der hier betrieben wird. Die berühmteste “Bewohnerin” hier ist wohl Eva Perón Duarte “Evita” und sie bekommt immer noch frische Blumen.


Wir haben unseren Aufenthalt in Buenos Aires einige Male verlängert, die Stadt gefällt uns, hat ein breites kulinarisches Angebot, und zu sehen gibt es auch genug – und das dank des Blue Dollar zu einem unschlagbaren Preis. Gesehen haben wir bei weitem nicht alles, aber wir hatten es hier sehr gemütlich und haben uns einfach treiben lassen.
