Neuseeland – Canterbury Region

Nach einem kurzen turbulenten Flug über Nacht landen wir in aller Früh in Christchurch. Am Flughafen frühstücken wir noch, bevor unsere Campervermietung uns abholt und wir unseren Camper – und damit unser zu Hause der nächsten vier Wochen – abholen. Dusche, WC, warmes Wasser und Heizung haben wir diesmal und ein Solarpanel versorgt uns mit dem nötigen Strom – wir sind bereit für unser Abenteuer. Aufgrund der kurzen Nacht geht es heute nicht sonderlich weit – wir fahren zur Küste wo kostenfreies Camping erlaubt ist und wir nach einem kurzen Spaziergang und einer Portion Fish & Chips bald müde ins Bett fallen. Wir machen nocheinmal einen Umweg zur Vermietung – unsere Wasserpumpe hat den Geist aufgegeben. Mit einer neu verbauten Pumpe fahren wir dann nach Lyttelton, einer kleinen Küstenstadt. Wir spazieren zum Lyttelton Timeball – ein Zeitball wurde früher genutzt um die Zeit der Schiffschronometer exakt einstellen zu können. Der Ball wird zu einer bestimmten Zeit fallen gelassen, damit die richtig eingestellten Chronometer für die Bestimmung des Längengrades auf hoher See genutzt werden konnten. Im Anschluss flanieren wir noch entlang der Hauptstraße an kleinen Läden und Cafes vorbei, bevor wir in der lokalen Brauerei einkehren. Am nächsten Tag starten wir mit einem Frühstück am Markt. Für den Kaffee gibt es hier eine Tassen-Bibliothek – man nimmt eine Tasse, bekommt seinen Coffee to go und kann die Tasse dann wieder zurück bringen. Außerdem gibt es für den Biomüll hier einen Wurmkompost-Mistkübel. Wir kaufen noch Gemüse und fahren dann weiter nach Akaroa, einer kleinen französischen Siedlung auf der Banks Peninsula. In der Bucht von Akaroa leben Hektordelfine – die kleinste Delfinspezies. Vom Hafen aus haben bei unserem Spaziergang aber kein Glück mit einer Sichtung. Entlang der Scenic Route stoppen wir und wandern ein kurzes Stück zu einem Aussichtspunkt von wo aus man einen traumhaften Blick auf die Halbinsel hat – ein Vorgeschmack auf die wunderschönen Landschaften die uns noch erwarten.

Das nächste Ziel führt uns direkt nach Mittelerde. Unser Standplatz für die Nacht ist in wunderschöner Lage direkt am See – weit und breit nichts, nichteinmal andere Camper mit denen wir dieses schöne Fleckchen Erde teilen müssen. In der Früh geht es dann nach Edoras, Hauptstadt von Rohan – oder für die nicht Herr der Ringe Kundigen: Mount Sunday – ein sehr prominent platzierter Felsen mit traumhafter Aussicht auf den Rangitata Fluss und die umliegenden Berge. Für die Herr der Ringe Trilogie wurde hier 9 Monate lang das Set am Felsen aufgebaut und dann wieder komplett rückgebaut. Wir sind die einzigen hier und können die Landschaft in aller Ruhe genießen.

Es geht wieder zurück an die Küste, nach einer Kaffepause in Geraldine geht es nach Timaru. Hier lebt eine Kolonie Zwergpinguine die wir im Dunklen beobachten, wie sie Material für ihre Nester sammeln oder vom Fischen retour kommen.

Am nächsten Tag geht es dann wieder ins Landesinnere zum Lake Tekapo und dem Lake Pukaki. In der Gegend sind schon etwas mehr Touristen zu sehen, unseren ersten Standplatz haben wir trotzdem fast für uns alleine – etwas abseits der Hauptstraße dafür direkt am Ufer des Lake Pukaki. Hier fällt uns vor allem der Herr im Camouflage-Camper mit seinem Mitreisenden – einem Skelett am Beifahrersitz – auf. Die beiden Seen sind von einer traumhaften Bergkulisse umgeben und erstrahlen in unecht wirkendem türkis. Die Farbe der Seen ergibt sich durch den im Gletscherwasser gelösten feinen Felsstaub, der im Wasser schwebt. In bester Lage, direkt am Ufer des Lake Tekapo steht die Church of the Good Shepherd, eine kleine Kirche aus Stein, die für unzählige Fotos herhalten muss. Wir genießen die schöne Kulisse unter Tags und freuen uns auf einen intensiven Sternenhimmel in der Nacht – die Gegend um den Lake Tekapo ist für klare Nächte und kaum Lichtverschmutzung bekannt, hier gibt es ein Lichtschutzgebiet und dadurch perfekte Bedingungen für ausgiebige Sternenbeobachtung. Direkt vor unserem Bus haben wir also tolle Bedingungen und sehen unheimlich viele Sterne, die Milchstraße so klar, lang und eindeutig wie noch nie zuvor, das Southern Cross (Kreuz des Südens) und sogar den Kohlensack – eine Dunkelwolke mitten in der südlichen Milchstraße.

Die geplante Wanderung ins Hooker Valley ist seit ein paar Tagen aufgrund des Wetters gesperrt, so auch noch als wir während des Frühstücks die Lage prüfen, also entscheiden wir uns für eine Alternative – vorerst – doch als wir gerade woanders hinfahren wollten sehen wir, dass der Hooker Valley Trek doch offen ist – und da heute der schönste Tag sein soll (und wir eine erneute Schließung befürchten) drehen wir wieder um und spazieren bei traumhaftem Wetter das Hooker Valley entlang. Der Hooker Valley Track ist eine gemütliche Wanderung bei der man drei Hängebrücken überquert, und durchgängig in sehr schöner Umgebung unterwegs ist. Bereits am Weg und natürlich auch am Ende blickt man auf den Mount Cook, mit 3724 m der höchste Berg Neuseelands.

Am nächsten Tag wollen wir den Blick von oben auf Tekapo genießen und wandern dafür auf den Mount John auf dem auch die hiesige Sternwarte steht. Oben angekommen kommen wir allerdings nicht mehr dazu die Aussicht zu genießen denn es zieht ein Sturm auf. Eigentlich wollten wir einen Rundweg gehen, jedoch hätten wir noch eine Kuppe überwinden müssen um den kurzen Weg ins Tal zurück zu gehen – der Wind war aber so stark, dass wir in diese Richtung nicht mehr weiter gekommen sind, also haben wir den gleichen Weg zurück genommen und sind ziemlich nass im Tal angekommen – praktisch, dass wir im Camper gleich heiß duschen konnten. Frisch geduscht haben wir dann den Nachmittag wieder bei strahlendem Sonnenschein genießen können.

Die letzte kurze Wanderung im Mount Cook Nationalpark bringt uns zum Aussichtspunkt auf den enfernten Tasman Gletscher bzw. ans Ufer vom Gletschersee. Der Gletscher ist der längste in Neuseeland, verliert aber momentan ca. 800 m Länge pro Jahr. Den Tasman Lake gibt es erst seit 1990 als mehrere kleine Schmelzwasserseen miteinander verschmolzen sind – seitdem wächst der Gletschersee rasant.

Gecampt haben wir hier immer kostenfrei am Ufer des Lake Pukaki mit Blick auf das türkise Wasser und die Neuseeländischen Alpen.