Victoria – Teil 1

Victoria empfängt uns mit Regen, wodurch unsere ersten Stops gleich mal ins Wasser fallen, denn unser Camper ist nicht auf die klassischen unasphaltierten Zufahrtsstraßen im Regen ausgelegt. Somit ist unser erster Halt Lakes Entrance mit einem Campingplatz direkt am Wasser, von wo aus wir die schwarzen Schwäne beobachten können. Ein Spaziergang entlang der vorgelagerten Halbinsel bringt uns zu einer Robbenkolonie, die wir entlang der Steine am Ufer und im Wasser beobachten können.

Nachdem das Wetter eher auf der regnerisch kalten Seite ist, gönnen wir uns mal Hot Springs – also quasi eine Therme. Hier gibt es eine Bio-Sauna (kein Nacktbereich, leider), ein paar warme Becken und als Highlight am Hügel ein paar Fässer gefüllt mit Thermalwasser. Nachdem es keinen Indoorbereich gibt weicken wir die meiste Zeit in den Ein-Personen-Fässern und fahren dann zu unserem gratis Stellplatz für die Nacht mitten im Wald. So richtig zum Durchschlafen kommen wir heute nicht, denn wir bekommen einen Mitbewohner – wahrscheinlich eine Ratte, die die meiste Zeit mit dem Abschaben vom Rost an unserer Karosserie beschäftigt ist und uns damit wach hält. Außerdem hat ihr das Kabel zu unserem linken Bremslicht wohl auch geschmeckt…

Als wir aufstehen sind unsere zum Trocknen aufgehängten Badesachen gefroren und unser neuer Mitfahrer immer noch da, also brechen wir mit zusätzlichem Beifahrer auf nach Bairnsdale. Hier spazieren wir durch die Stadt bevor wir dann ohne Auto mit der Fähre (für Fußgänger gratis) nach Raymond Island fahren. Hier sehen wir einen Kookaburra und 18 Koalas – die sich auch abseits des designierten Koala Trails herum treiben. Einen beobachten wir gerade beim Baumwechsel.

Nach einer Nacht Freecamping vom Strand nur durch eine Düne getrennt geht es nach Philipp Island. Hier sind wir am Abend bei der Penguin Parade – dem abendlichen Landgang der Zwergpinguine (Little Blue Penguins). Die Pinguine werden nur circa 33 cm groß und sind damit die kleinste Pinguinspezies. Nachdem sich zuerst ein einzelner Pinguin wagemutig alleine vom Meer ans Ufer hinauf in die Wiese getraut hat, bilden die weiteren Landgänger dann kleine Gruppen in denen sie an Land zu ihren Nestern watscheln. An Land können wir sie dann beobachten wie sie miteinander interagieren – es ist Paarungszeit, also gibt es viel Pinguinsex. Die restlichen Tage auf Philipp Island spazieren wir bei Wind und Wetter entlang der Küste und in den Wetlands.

Nächster Halt sind die Brighton Beach Boxes – viele kleine bunte Kabanen am Strand unweit von Melbourne. Hier können wir schon einen ersten Blick auf die Skyline von Melbourne werfen und genießen endlich mal wieder Zeit am Strand vor den bunten Badeboxen bei traumhaftem Wetter. Weiter geht es am Rande von Melbourne vorbei, zu einem Zwischenhalt in Geelong und der lokalen Brauerei weiter nach Torquay – der Surfhauptstadt Australiens und dem Startpunkt der Great Ocean Road.

In Torquay tummeln sich in allen Buchten die Surfer, die wir beim Spazieren entlang der Küste neben den Fischern beobachten. Den verregneten Vormittag vertreiben wir uns im Ripcurl Outlet und erstehen uns jeweils ein neues Badeoutfit – irgendwann werden wir schon wieder Badewetter haben. Dann geht es los mit der Fahrt entlang der Great Ocean Road und dem ersten Leuchtturm mit Blick auf den Eagle Rock, gefolgt vom Great Ocean Road – Bogen und Fish & Chips (wir fahren ja entlang der Küste, da gehört der fangfrische Fisch dazu). Gebaut wurde die Great Ocean Road nach dem ersten Weltkrieg von den heimkehrenden Soldaten, sie ist damit Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Kriegsdenkmal in einem.

In Apollo Bay geht es ins Pub für lokales Craftbeer und nachdem wir morgens die Schafe (unsere Campingplatznachbarn) beobachtet haben geht es weiter zum Cape Otway an dessen Spitze natürlich wieder ein Leuchtturm steht. Wir erklimmen den Leuchtturm und fahren dann weiter entlang dem schönsten Teilstück der Strecke bis zu den Spots mit den bekannten Kalksteinformationen. Entlang der Gibson Steps geht es hinunter an den Strand, von wo aus man die ersten zwei Felsformationen Gog und Magog sieht. Weiter geht es mit The Razorback (einem langgezogen Felsen) und Loch Ard Gorge. Begutachtet haben wir natürlich auch die zwölf Apostel – von denen es nur noch 7 gibt – der frühere Name Sow and Piglets wäre somit eigentlich flexibler gewesen, war aber nicht klingend genug für einen geplanten Touristenmagneten. Nächster Stop (der auch schon weit weniger besucht ist) war die Formation London Bridge (auch schon zusammengebrochen), gefolgt von Bay of Islands und als Abschluss Childers Cove und damit dem Ende der Great Ocean Road.

P.S.: Falls sich jemand über das Schicksal unseres Mitfahrers Gedanken macht, wir vermuten, dass er bei unserem Zwischenstopp, während wir Koalas zählen waren, wieder ausgestiegen ist, da er vermutlich Richtung New South Wales und nicht nach Melbourne wollte.